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Zelluläre Testsysteme

Problematische Tierversuche mit Krankheitserregern

Ein besonderes Problem bereitet oft die Beurteilung eines Erregers menschlicher Krankheiten im Tierversuch. Tiere sind nicht immer für die gleichen Erreger empfänglich wie der Mensch oder entwickeln andere Symptome bei einer Erkrankung. In diesen Fällen müssen gentechnologisch veränderte Testtiere eingesetzt werden, um eine dem Menschen möglichst ähnliche Reaktion erzeugen zu können - ähnlich, aber oft leider nicht identisch.

Abb.1
Affe als Tiermodell
© http://www.pixelio.de: ThoSt

HIV-Erkrankungen sind ein typisches Beispiel. In den 1980er Jahren wurden beispielsweise zahlreiche Tiermodelle für HIV/AIDS entwickelt (Mäuse, Affen Kaninchen). Alle diese Modelle lieferten nur unzureichende Ergebnisse, da sich AIDS beim Menschen erheblich unterscheidet in Bezug auf die Struktur der Viren, der Krankheitssymptome oder auch des Krankheitsverlaufs.

Von den ersten ca. 80 Impfstoffen, die bei Primaten erfolgreich HIV/AIDS-Infekte verhindern konnten, war kein einziger Impfstoff auch für den Menschen geeignet. Im Jahr 2007 hatte eine große deutsche Pharmafirma Phase-2-Versuche mit einen Impfstoff gegen HIV, der sich in Affen als durchaus wirksam erwiesen hatte, wegen unzureichender Immunität bei Menschen gestoppt. Gerade im Hinblick auf HIV-Infekte führen alternative Testverfahren mit humanen Zellen zu deutlich besseren Ergebnissen.

Impfstoff gegen Grippeviren

Abb.2
Grippe-Impfstoff

Ein anderes Problem tritt im Zusammenhang mit Grippeviren auf, die üblicherweise in 10 bis 11 Tage alten, bebrüteten Hühnereiern vermehrt werden, um aus den gereinigten Viren dann den jeweiligen Grippe-Impfstoff zu entwickeln. Da jeder neue Impfstoff intensiven klinischen Studien unterzogen werden muss, bevor er auf den Markt gebracht werden darf, dauert es etwa sechs Monate von der Impfstoffempfehlung durch die WHO1) bis zum fertigen Medikament. Das ist sehr lange, denn Grippeviren können sich sehr schnell verändern. Falls der Impfstoff einmal doch nicht spezifisch genug für ein möglicherweise massenhaft auftretendes Grippevirus sein sollte, würde die Zeit nicht ausreichen, um schnell einen neuen, passenden Impfstoff in großen Mengen herzustellen.

Neben der sehr langen Produktionsphase bergen die im Tiermodell hergestellten Impfstoffe zudem immer die Gefahr von Allergien durch Hühnereiweiß. In einigen Ländern ist daher die Impfstoffproduktion in Verozellen (einer tierischen Zellkultur) zugelassen, die erheblich weniger Aufwand als die Produktion in Hühnereiern erfordert.

Übungsaufgabe

1)WHO: World Health Organization
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