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Bärtierchen (Tardigrada)

Tardigrada - Überleben im All?

Bärtierchen sind unglaublich widerstandsfähig, sie überdauern im tönnchenförmigen Ruhestadium selbst jahrelange Minusgrade, starke Hitze von nahezu 100 °C oder radioaktive Strahlung. Im September 2008 wurden zwei verschiedene Bärtierchenarten (Richtersius coronifer und Milnesium tardigradum) im Rahmen der FOTON-M3-Mission vom russischen Weltraumbahnhof in Baikonur mit einer Rakete in den Weltraum geschossen. Sie waren Teil des Biopan-6-Moduls für biologische Experimente, das von der europäischen Weltraumagentur ESA1) zur Verfügung gestellt wurde.

Bei diesem Flug umrundete der Satellit die Erde 189-mal in 270 km Höhe und kehrte nach elf Tagen wieder auf die Erde zurück. Forscher der schwedischen Kristianstad Universität in Stockholm und der Universität Stuttgart, die dieses Experiment geplant hatten, waren vor allem daran interessiert, wie viele Tiere die Kombination aus extremer Strahlung und dem Vakuum im All überleben können.

Die starke kosmische und ultraviolette Strahlung im All verursacht zahlreiche zelluläre Schäden, die die Zellen selbst und ihre Reproduktionsfähigkeit erheblich beeinträchtigen sollten, sofern nicht die Bärtierchen über z.B. besondere Reparatursysteme verfügen, um derartige Zellschäden zu beseitigen. Bisher sind nur Bakterien und Flechten bekannt, die die Bedingungen im All überleben können. Für die NASA2) war dabei auch interessant, ob diese Organismen von der Erde möglicherweise durch die interplanetare Raumfahrt auf andere Planeten übertragen werden könnten.

Und das Ergebnis des Experimentes

Erstaunlicherweise haben tatsächlich drei Exemplare der Art Milnesium tardigradum sowohl die Strahlung als auch das Vakuum im All überlebt und waren danach noch in der Lage, sich erfolgreich fortzupflanzen!

Dass sich eines Tages Bärtierchen auf dem Mars oder anderen Planeten ausbreiten, ist aber nicht zu befürchten. Neben Wasser in flüssiger Form benötigen diese Tiere Nahrung. Falls sich also Organismen von der Erde aus im All verbreiten würden, wären Bakterien oder die Photosynthese betreibenden Flechten eher geeignete Kandidaten.

Homepage der NASA

Literatur

Jönsson, K. I.; Rabbow, E.; Schill, R. O.; Harms-Ringdahl, M.; Rettberg, P. (2008): Tardigrades survive exposure to space in low Earth orbit. In: Curr. Biol.. 17 , R729-R731
1)ESA: European Space Agency
2)NASA: National Aeronautics and Space Administration
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