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Biodiversität

Regenwald

Abb.1
Tropischer Regenwald
© http://www.pixelio.de : bertl100

Der tropische Regenwald bedeckt nur etwa 5 % der Erdoberfläche, ist aber trotzdem eines der artenreichsten Ökosysteme der Welt. Schätzungen zufolge leben hier mindestens 50 % aller terrestrischen Pflanzen- und Tierarten, ihre Existenz ist durch die radikale Nutzung und zunehmende Zerstörung der Wälder jedoch stark bedroht.

Von der im 19. Jahrhundert auf 16 Millionen km2 geschätzten Regenwaldfläche ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts etwa noch die Hälfte vorhanden. Durch die zumeist illegal Rodung sterben vermutlich mindestens 0,2-0,3 % der hier vorkommenden Tier- und Pflanzenarten pro Jahr aus. Jährlich werden mehrere tausend neue Arten beschrieben, so dass die tatsächliche Anzahl der Regenwaldarten (und damit auch der ausgerotteten Arten) noch erheblich höher ausfallen könnte. Diese enorme Artenvielfalt beruht u.a. auf den klimatischen Bedingungen: durchschnittliche Temperaturen zwischen 24 und 28 °C und eine Luftfeuchtigkeit von etwa 70-80 % fördern das Wachstum der Pflanzen, und mit gleichmäßig verteilten ca. 2.000 mm Niederschlag pro Jahr und Quadratmeter ist die Wasserversorgung optimal.

Der Boden der Regenwälder besteht vorwiegend aus nährstoffarmem Sandboden. Da jeder organische Abfall sofort von den zahlreichen Bakterien, Pilzen und Insekten verarbeitet und dem Nährstoffkreislauf des Waldes wieder zugeführt wird, kann sich auch keine Humusschicht ausbilden. Starke Regenfälle waschen die ohnehin mageren Bodenschichten weiter aus, so dass die Böden im zentralen Amazonasgebiet kaum Mineralien enthalten. Dünger kommt allenfalls aus dem Saharastaub, den der Nordost-Passatwind jedes Jahr vom Atlantik über die amerikanischen Regenwälder weht. Solange diese mineralischen Kreisläufe intakt bleiben, ist eine kontinuierliche Versorgung der Pflanzen gewährleistet, aber sobald die Pflanzendecke durch Rodung zerstört wird, bricht das Gleichgewicht zusammen. Zurück bleibt ein mehr oder weniger unfruchtbarer Boden, der sich ohne externe Düngung nur kurzzeitig zum Anbau von Nutzpflanzen eignet.

Ökonomische Nutzung

Abb.2
Rinderzucht

Ungeachtet aller Bemühungen um eine nachhaltige Nutzung der tropischen Wälder stehen nach wie vor ökonomische Interessen im Vordergrund, sowohl die von großen Konzernen als auch die (mehr als berechtigten) Interessen von lokalen Kleinbauern, deren Überleben von der Nutzung des Regenwalds abhängt. Im Amazonas-Gebiet wurde 2007 erstmals wieder mehr Wald gerodet als noch 2005 und 2006, was vermutlich auch durch die gestiegenen Preise für Holz und Soja sowie die erhöhte Nachfrage nach Bioethanol und Biodiesel bedingt ist.

Auch der steigende Fleischkonsum in China und der damit verbundene Anstieg der Rindfleischpreise fördert die Umwandlung von Wald in Weideland - schätzungsweise zwei Drittel der Abholzung im Amazonas sind mittlerweile (2007) auf Rinderzüchter zurückzuführen. Neben der Rodung spielen auch andere Faktoren eine Rolle; die übrig bleibenden zerstückelten Waldflächen sind anfällig und werden durch die zunehmende Trockenheit in diesen Gebieten irreversibel geschädigt.

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