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Biodiversität

Eigentumsrechte und Biopiraterie

Der Begriff "Biopiraterie" bezeichnet die Aneignung von Leben, Pflanzen oder Tieren, der genetischen Vielfalt oder auch von Wissen, um diese(s) für sich nutzen zu können und andere von der Verwendung auszuschließen. In der Vergangenheit konnten Firmen oder Forschungseinrichtungen ungehindert die genetischen Ressourcen eines Landes für ihre eigenen Zwecke kommerziell ausbeuten. Von großem Interesse sind dabei vor allem Pflanzen aus z.B. tropischen Regenwäldern, die sich als potenzielle Arzneimittel eignen, oder auch Nutzpflanzen für die Verwendung in der Landwirtschaft wie z.B. Kaffeezüchtungen. Sobald eine Firma sich eine bestimmte Züchtung oder gentechnisch veränderte Pflanze patentrechtlich hat schützen lassen, muss jeder, der diese Pflanzen anbauen und verkaufen will, entsprechende Lizenzgebühren an diese Firma zahlen.

Abb.1
Gewürze (Paprika)
Abb.2
Pharmazeutische Wirkstoffe
Abb.3
Kaffeebohnen

Zahlreiche Produkte unseres Alltags stammen aus Ländern der Dritten Welt.

Neue biochemisch oder medizinisch interessante Substanzen zu entdecken, ist ein äußerst zeitraubender und kostenintensiver Prozess. Pharmazeutische Unternehmen greifen daher gern auf das traditionelle Wissen indigener Völker zurück, bei denen bestimmte medizinisch wirksame Pflanzen oder Extrakte schon seit vielen Generationen zur Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Bereits im Jahr 1990 lag der weltweite Umsatz mit Arzneimitteln, die von indigenen Völkern entdeckt wurden, nach Schätzungen von Experten bei etwa 43 Millionen US-Dollar.

Um diese Form der Ausbeutung von vor allem Entwicklungsländern mit großer biologischer Vielfalt einzudämmen, wurden nach dem Internationalen Übereinkommen über biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, 1992) die Eigentumsrechte eines Staates an den genetischen Ressourcen der Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen eingeführt.

"Das Übereinkommen hat die Erhaltung der biologischen Vielfalt zum Ziel. Dies beinhaltet neben dem Schutzaspekt auch die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und die ausgewogene und gerechte Aufteilung der sich aus dieser Nutzung der genetischen Ressourcen ergebenden Vorteile." (zitiert nach: Homepage des Auswärtigen Amtes, Biologische Vielfalt).

Der Zugang zu genetischen Ressourcen und gerechter Vorteilsausgleich (Access and Benefit-Sharing oder ABS) soll eine Nutzung für Industrie, Universitäten und Forschungseinrichtungen ermöglichen, dabei ist aber das Herkunftsland angemessen zu beteiligen. Diese Beteiligung kann entweder als finanzieller Ausgleich erfolgen, oder z.B. in der Bereitstellung von Forschungsergebnissen oder einem Technologietransfer zur Nutzung dieser Ressourcen bestehen. Mehr zum ABS finden Sie unter diesem Link: http://www.cbd.int/abs/.

Ein Beispiel für Biopiraterie - Ayahuasca

Als typischer Fall für Biopiraterie gilt auch ein US-Patent im Zusammenhang mit dem Trank Ayahuasca. Ureinwohner im Nordwesten Südamerikas benutzten dieses bewusstseinserweiternde Gebräu schon seit vielen Generationen für religiöse und medizinische Zwecke.

Ayahuasca wird aus der Lianenart Banisteriopsis caapi und Chakruna-Blättern (Psychotria viridis) hergestellt. Banisteriopsis caapi enthält Harmalin (reduziertes Harmin), ein Indol-Alkaloid, das die Ausschüttung der körpereigenen Monoamin-Oxidase (MAO) hemmt. Psychotria viridis liefert das eigentliche Rauschmittel, N,N-Dimethyltryptamin (DMT), das normalerweise von der MAO abgebaut wird. Durch die Hemmung der MAO kann das Rauschmittel über die Blut-Hirn-Schranke gelangen und seine halluzinogene Wirkung entfalten. Der Rausch verursacht neben stark angstauslösenden Visionen gelegentlich auch Nahtod-Erfahrungen, auf die auch der Name "Ayahuasca" hindeutet, was übersetzt soviel bedeutet wie "Liane der Geister" oder auch "Liane der Toten".

Abb.4
Harmalin
Abb.5
N,N-Dimethyltryptamin (DMT)

Die US-Firma International Plant Medicine IPMC sicherte sich 1986 die alleinigen Verwertungsrechte für Banisteriopsis caapi, nachdem sie die Wirkung dieser Pflanze gegen Krankheiten wie Krebs und Parkinson entdeckt hatten. Im November 1999 wurde nach Protesten des Dachverbands der indigenen Völker des Amazonasgebietes COICA das Patent aufgehoben und Ayahuasca zum geistigen Eigentum des indigenen Volkes erklärt. Im Jahr 2001 trat das Patent zwar wieder in Kraft, wird aber völkerrechtlich nicht anerkannt.

Ein kleiner Exkurs: Von der Volksmedizin zum modernen Wirkstoffdesign

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