zum Directory-modus

Biodiversität

Meere und Küsten

Abb.1
Riffe sind die Kinderstube vieler großer Fische
Jane Thomas, IAN Image Library (www.ian.umces.edu/imagelibrary/)

Das Meer gehört zu den wichtigsten Nahrungsquellen des Menschen; mehr als 1,1 Milliarden Menschen sind direkt oder indirekt auf die Ozeane als Ernährungsgrundlage angewiesen. Allein die marine Fischereiwirtschaft produziert jährlich Güter im Wert von ca. 80 Milliarden Dollar. Jede Person in Deutschland verzehrt jährlich ca. 15 kg Fisch und damit etwas weniger als der weltweite Durchschnitt von 16,5 kg. Diese intensive Nutzung der Meere hat auch ihre Schattenseiten, denn Fische wie z.B. Schwertfisch (Xiphias gladius) und Roter Thunfisch (Thunnus thynnus) stehen mittlerweile kurz vor dem Aussterben. Nach einem Report der Umweltorganisation Living Planet (2006) wurde bei 274 Meeresarten zwischen 1970 und 2003 ein Rückgang der Bestände um mehr als 25 Prozent festgestellt. Drei Viertel aller Fischbestände gelten als überfischt oder bereits ausgebeutet, und nach Schätzungen der Wissenschaftler könnten die Bestände an Speisefischen und Meeresfrüchten bis 2048 völlig zusammenbrechen.

Das Problem ist dabei nicht die Fischerei an sich, sondern vielmehr die Fangmethoden. Zu den ca. 4,5 Millionen Tonnen an Krustentieren, Fischen und Muscheln, die in der EU jährlich verarbeitet bzw. verkauft werden, kommen je nach Fangmethode noch eine bis zu vierfache Menge an unerwünschtem Beifang, der zum großen Teil nicht genutzt, sondern gleich im Meer entsorgt wird. Oft sind es marine Säugetiere wie Wale und Delphine, die sich in den Netzen verfangen und dann ertrinken.

Die Artenvielfalt im Meer wird nicht nur durch die Überfischung und durch die zunehmende Umweltverschmutzung (Abwässer, Ölverschmutzung, Plastikmüll), sondern auch durch die weltweiten Klimaveränderungen erheblich beeinflusst. Während mobile Tiere zu einem gewissen Grad noch in andere Gebiete abwandern können, die eher ihrem Temperaturoptimum entsprechen, ist dieses für sesshafte Tiere wie die Korallen und für Pflanzen nicht möglich. Am Beispiel der Nordsee wird dieser Effekt offensichtlich: Die wärmeliebenden Streifenbarben sind inzwischen auch in der Nordsee zu finden, während die früher hier vorhandenen Kabeljau- und Plattfischpopulationen durch eine Kombination aus Überfischung und Meereserwärmung fast verschwunden sind. Sollte sich die weltweite Temperaturerhöhung fortsetzen, ist langfristig mit einem Aussterben vieler Arten zu rechnen.

Abb.2
Phytoplankton
IECS
Abb.3
Nahrungskette im Meer

In welchem Ausmaß durch diese Veränderungen auch marine Nahrungsketten unterbrochen werden, bleibt abzuwarten - die Stabilität dieses Ökosystems ist auf jeden Fall derzeit massiv bedroht, sofern nicht Schutzzonen eingerichtet werden, in denen sich der Bestand bedrohter Arten erholen kann.

Abb.4
Küste (Ostsee)

Küstengebiete, die sich weltweit über eine Länge von mehr als 440.000 Kilometer erstrecken, sind ebenfalls artenreiche Ökosysteme. Hier brüten oder leben nicht nur zahlreiche Tiere, sondern auch viele Menschen sind von diesem wirtschaftlich mit am stärksten genutzten Lebensraum der Erde abhängig. Die Küsten sind heute vor allem durch die zunehmende Umweltverschmutzung bedroht, beispielsweise durch die Einleitung von Schadstoffen an Flussmündungen, das Anspülen von Ölresten nach Tanker-Havarien oder die illegale Verklappung von Schadstoffen aller Art.

Auch die Auswirkungen der globalen Klimaveränderungen auf die Küsten lassen sich derzeit noch kaum vorhersagen, aber ein Ansteigen des Meeresspiegels wird mit Sicherheit die Überflutung vieler Küstenstriche zur Folge haben. Besonders bedroht sind die Inselgruppen, die nur knapp über dem heutigen Meeresspiegel liegen. Nach Schätzungen des UN-Klimarats wird der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um bis zu 59 cm ansteigen.

Weiterführende Links

Webseite des WCRP (World Climate Research Program)

Webseite des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change)

Webseite des Global Forum on Oceans, Coasts, and Islands

Webseite des Global Nature Fund

Seite 18 von 24