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Neue Medikamente aus den Korallenriffen

Der Verlust der Artenvielfalt im Ökosystem Riff bedeutet auch in anderer Hinsicht einen enormen Verlust an Biodiversität - immer wieder wurden hier in den letzten Jahren pharmazeutisch aktive Substanzen mit neuen Eigenschaften entdeckt. Schwämme, Krustenanemonen, Seescheiden oder Korallen synthetisieren zahlreiche Gifte, um sich zu verteidigen oder um ihre Beute zu lähmen. Korallen wie die gelbe Königskoralle Isis hippuris produzieren beispielsweise steroidartige Metaboliten (Hippuristerone), die sich auch pharmazeutisch als virale Wachstumshemmer gegen Polyvirus- oder HIV-Infekte einsetzen lassen und möglicherweise auch bei Krebserkrankungen wirksam sind.

Abb.1
Dolabella auricularia (Seehase)
Dr. Bill Rudman, Australian Museum, The Sea Slug Forum .
Abb.2
Strukturformel von Dolastatin-10

Ein weiteres Beispiel sind die Toxine der Kegelschnecken; das Schmerzmittel Ziconotid beispielsweise ist ein Analogon des aus Conus magnus isolierten ω-Conotoxins. Eine ganze Gruppe interessanter Tumor-Wachstumshemmer wurde aus Manteltieren wie Trididemnum solidum (Didemnin), Ecteinascidia turbinata (Ecteinascidin 743) oder dem im Indischen und Pazifischen Ozean heimischen Seehasen Dolabella auricularia gewonnen. Die Dolastatine scheinen jedoch nicht von dieser marinen Schnecke selbst produziert zu werden, sie gehen vermutlich auf mit der Nahrung aufgenommene Cyanobakterien (Blaualgen) zurück. Dolastatin-10 wirkt selbst in niedrigen Konzentrationen sehr gut gegen Gehirn-, Nieren- und Dickdarmtumorzellen und konnte bereits synthetisch hergestellt werden.