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Biodiversität

Korallenriffe

Warmwasserkorallenriffe mit ihrer enormen Artenvielfalt und ihrer Bedeutung für das Ökosystem Meer gelten nicht zu Unrecht als "Regenwälder der Meere". Schätzungen zufolge sind in diesen riesigen Ökosystemen (das Great Barrier Reef in Australien erstreckt sich über eine Länge von mehr als 2.000 Quadratkilometern) annähernd eine Millionen Arten an Pflanzen, Säugern, Reptilien, Fischen, Würmern, Krebsen, Weichtieren und Mikroorganismen vertreten.

Korallenriffe schützen die Küsten von Inseln und des Festlandes vor Schäden durch tropische Stürme. Sie dienen als Erwerbsquelle, z.B. für die Tourismusindustrie oder die Fischereiwirtschaft. Etwa ein Viertel der asiatischen Fischindustrie ist direkt oder indirekt von den Korallenriffen abhängig, denn zahlreiche Hochsee- und Lagunenfische nutzen Riffe als Nahrungslieferanten oder als Schutzraum zum Heranwachsen der Jungtiere.

Hinweis
Korallen galten lange als Pflanzen, bis man im 18. Jahrhundert erkannte, dass es sich hier um Nesseltiere handelt. Von den ca. 3.800 Korallenarten sind etwa 1.300 riffbildende Steinkorallen, die über viele Jahrhunderte im flachen Wasser der tropischer und subtropischer Meere Korallenriffe mit z.T. enormen Ausmaßen aufbauten.

Klimaveränderungen, Umweltverschmutzung und Zerstörung

Klimaveränderungen und die zunehmende Umweltverschmutzung bedrohen dieses Habitat mehr und mehr. Das Jahr 2008 wurde nicht zuletzt auch aus diesem Grund zum "2. Internationalen Jahr des Riffs" (IYOR) erklärt. Die nährstoffarmen Korallenriffe des Flachwassers reagieren extrem sensibel auf Temperaturerhöhungen, aber auch auf den Anstieg an Kohlendioxid in der Luft und die damit verbundene Veränderungen des pH-Wertes im Meerwasser. Der Anstieg der CO2-Konzentration um 80 ppm in den letzten Jahren auf mehr als 380 ppm beeinflusst das Carbonat-Gleichgewicht im Wasser und damit auch die Stabilität der Riffe selbst.

Die Korallenbleiche war bis 1979 praktisch unbekannt; inzwischen zählt sie zu den größten Gefahren für Riffe in tropischen Gewässern. Ursache für diese auf die zunehmende Erwärmung zurückzuführende Krankheit sind die Symbiose-Partner der Korallen, die Algen (Zooxanthellen). Diese produzieren bei zu warmem Wasser Giftstoffe und werden dann von den Korallen abgestoßen. Die Korallen verlieren als Folge neben ihrer Farbe auch einen wichtigen Nährstoff-Lieferanten und werden zudem anfällig für bakteriell oder viral bedingte Krankheiten.

Die Biodiversität der Korallenriffe ist aber nicht nur durch die globale Erwärmung, sondern auch andere anthropogene1) Faktoren bedroht. Der Eintrag von Düngemitteln und Abwässern fördert die Entstehung von Blaualgenteppichen, die die Korallen mehr und mehr zu überwuchern drohen. Schleppnetze mit enormen Ausmaßen und das Sprengstoff- oder Zyankali-Fischen haben dazu beigetragen, dass etwa 20 % aller Riffe in den letzten 20 Jahren zerstört wurden und weitere 20 % heute als gefährdet gelten. Wissenschaftler schätzen, dass bis zu 60 % aller Korallenriffe bis zum Jahr 2030 abgestorben sein könnten, wenn die heutigen Trends in diesem Ausmaß anhalten. Im Laufe der Evolution haben sich Korallenriffe zwar immer wieder auf sich ändernde klimatische oder geografische Veränderungen (z.B. auch wechselnde Meeresspiegel) eingestellt, aber mit der Geschwindigkeit der anthropogen bedingten Veränderungen können sie ebensowenig schritthalten wie andere Ökosysteme.

Auch die artenärmeren Kaltwasserriffe sind gefährdet, die in größeren Tiefen z.B. vor der Küste Norwegens und Schottlands vorkommen. Hier sind es vor allem die großen Schleppnetze, die über die Seeböden gezogen werden und dabei große Bereiche der Korallen beschädigen. Da Kaltwasserkorallen sehr viel langsamer wachsen als ihre tropischen Verwandten, wirkt sich diese Art der Zerstörung besonders verheerend aus.

Neue Medikamente aus den Korallenriffen

1)anthropogene: durch den Menschen bedingt oder verursacht
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