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Biodiversität

Klimawandel

Abb.1
Schwankungen des Kohlendioxid-Gehaltes in der Atmosphäre
PBS Online (2000)

Klimadaten des letzten Jahrhunderts zeigen einen deutlichen Trend in Richtung einer vermutlich durch den Menschen bedingten weltweiten Erwärmung, der sich z.B. auch im verstärkten Abschmelzen der Gletscherregionen niederschlägt. Die biologische Vielfalt ist durch die derzeit beobachtbaren Veränderungen des Klimas (Temperatur, Niederschlag, Wind) massiv bedroht, da sich Arten nicht schnell genug den innerhalb kurzer Zeit veränderten klimatischen Gegebenheiten anpassen können.

Als Ursache für diese Erwärmung gilt vor allem der Verbrauch an fossilen Energiequellen (Kohle, Erdöl, Erdgas), der zur Freisetzung von großen Mengen an Kohlendioxid führt. Aber auch die zunehmende Land- und Viehwirtschaft und die damit verbundene Freisetzung von Methan sowie das Abholzen der Regenwälder tragen zur globalen Erwärmung bei. Neben Kohlendioxid und Methan zählen auch Wasserdampf, Distickstoffoxid N2O und fluorierte Verbindungen wie FCKW zu den so genannten Treibhausgasen. Der durchschnittliche CO2-Gehalt der Atmosphäre ist beispielsweise von 280 ppm (vor 1750) auf 377,3 ppm (2004) angestiegen, den höchsten Wert seit etwa 400.000 Jahren (Aktuelle Konzentrationen der Treibhausgase).

Aber auch die derzeit erhöhte Strahlungsintensität der Sonne ist an der Temperaturerhöhung auf der Erde möglicherweise beteiligt. Das IPCC1) (Weltklimarat) errechnete, in Abhängigkeit von den jeweiligen Prognosen und verwendeten Modellen, einer Zunahme der globalen Durchschnittstemperatur um 1,1 °C bis 6,4 °C bis zum Jahr 2100, die definitiv mit einem Anstieg des Meeresspiegels, Veränderungen der Niederschläge und der Zunahme extremer Wetterbedingungen wie Dürrephasen, Überflutungen oder Orkanen einhergehen wird.

Kohlenmonoxid in der Atmosphäre

Auswirkungen des Klimawandels

Abb.2
Korallenbleiche durch zunehmende Erwärmung der Meere

Die globale Erwärmung beeinflusst langfristig zahlreiche Ökosysteme und ihre biologische Vielfalt. Verändern sich die Niederschlagsmengen oder ihre jahreszeitliche Verteilung erheblich, wird sich auch die Zusammensetzung der Arten verschieben. Aufgrund der steigenden Temperaturen tauen z.B. Permafrostböden auf oder Krankheitserreger können sich in Gebiete ausbreiten, die zuvor zu kalt für ein Überleben waren - so beispielsweise die Erreger eigentlich typischer Tropenkankheiten wie Malaria, Leishmaniose, Dengue-Fieber oder Gelbfieber. Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht Küstenregionen weltweit, während die Erwärmung der Meere Wachstum und Verteilung des Planktons beeinflusst, das am Anfang der marinen Nahrungsketten steht. Wissenschaftler befürchten auch, das das veränderte Kohlendioxid-Gleichgewicht zu einer verstärkten CO2-Aufnahme in die Ozeane führt, die den pH-Wert der Ozeane absenken und damit die Korallen gefährden wird. Nach Schätzungen des Klimarates IPCC (2007) sind vermutlich bis zu 30 Prozent der Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, wenn die Temperaturen um 1,5 °C bis 2,5 °C ansteigen.

Klimawandel - und nun?

Es gibt zahlreiche Ansätze, den Klimawandel zumindest zu verlangsamen, aber mitunter haben diese Projekte auch negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt - und nicht nur das. Aus Umweltschutzgründen soll in der EU die Beimischung des als klimafreundlich geltenden Ethanols zum herkömmlichen Autokraftstoff bis 2020 auf 10 % angehoben werden. Dieses Vorhaben wird allerdings mittlerweile von vielen Wissenschaftlern als kritisch bewertet. Der stark gestiegene Anbau von Zuckerrohr oder Ölpalmen für die Produktion von Bio-Treibstoffen (Bio-Alkohol, Palmöl) in den Entwicklungsländern ist oft lukrativer als der Anbau von Nahrungsmitteln. Das führt dazu, dass mehr Waldflächen gerodet werden oder Anbauflächen für diese so genannten Energiepflanzen in Anspruch genommen werden, anstatt die Ernährung der lokalen Bevölkerung zu sichern. Die Rodung bedroht natürliche Ökosysteme mit hoher Artenvielfalt, und in vielen Ländern wie beispielsweise Haiti, Bangladesh und Ägypten demonstrieren derzeit (April 2008) die Menschen gegen die mittlerweile für sie unbezahlbaren Lebensmittelpreise als Folge der Verknappung an lokal erzeugten Produkten - neben vielen anderen Ursachen auch durch die Produktion von Biosprit.

Ein sinnvoller Beitrag zum globalen Klimaschutz ist es wohl nicht, wenn nationale Probleme des zu hohen Energieverbrauchs in Schwellen- oder Entwicklungsländer verlagert werden und dort ganz andere Probleme nach sich ziehen. Insgesamt gehen die Bestrebungen heute daher eher in eine Richtung, natürliche Ökosysteme zu schützen, den Anbau von lokalen Pflanzen mit traditionellen Methoden in den Entwicklungsländern zu fördern und insgesamt den Energieverbrauch der Industrieländer zu senken.

Weiterführende Links

Webseite des WCRP (World Climate Research Program)

Webseite des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change)

1)IPCC: Intergovernmental Panel on Climate Change
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