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Biodiversität

Funktionelle Biodiversität

Die funktionelle Biodiversität beschäftigt sich mit dem Ökosystem als Ganzes. Der Focus liegt also nicht auf der einzelnen Art an sich, sondern an ihrer Einbindung im Ökosystem, das aufgrund seiner Netto-Leistung im Hinblick auf den Abbau bestimmter Stoffe oder den Nährstoffumsatz beurteilt wird.

Funktionelle Biodiversität umfasst damit auch alle Prozesse, die durch die Interaktion der Mitglieder einer Gemeinschaft geprägt sind. Zu diesen zählen z.B. Konkurrenz, Räuber-Beute-Beziehungen, Parasitismus oder Symbiosen und die optimale Ressourcennutzung durch Nahrungsketten oder -netze. Bei landwirtschaftlich genutzten Flächen gilt es also nicht, die Anzahl der Arten zu erhöhen, sondern vielmehr wird gezielt auf eine Optimierung der Ökosystemleistung hingearbeitet. Trotzdem stehen Vielfalt der Arten und funktionelle Diversität eines Ökosystems in einem gewissen Zusammenhang.

Das Konzept der Gilden

Abb.1
Die Gilde der Blütenbestäuber: u.a. Bienen

Funktionelle Artengruppen werden oft in so genannten Gilden zusammengefasst, die aus ein oder mehreren, nicht notwendigerweise verwandten Arten mit ähnlichen biologischen bzw. ökologischen Eigenschaften bestehen. Gilden können z.B. anhand der Energiegewinnung definiert werden (bei Bakterien) oder lassen sich nach Nahrungsquellen bzw. Ernährungsweise einteilen wie z.B. Phytophagen, Saprophagen, Mikrophytophagen, Zoophagen und andere, die dann jeweils ein Gilden-Nahrungsnetz bilden. Andere Nahrungsnetze unterscheiden sich auf der Basis der Lebensraumnutzung oder der Kompartimentierung, also etwa danach, ob sie ober- oder unterirdische Pflanzenteile fressen oder zum Zersetzersystem zählen. Auch im Ökosystem "Boden" existieren Bereiche mit besonders großer Biodiversität; zu diesen zählt vor allem die Rhizosphäre der Pflanzen mit einer hohen Artendichte und einem enormen Stoffumsatz.

Man nimmt an, dass in naturnahen mitteleuropäischen Lebensräumen wie beispielsweise dem Wald lokal jeweils etwa 2.000 Tierarten (von insgesamt ca. 50.000 überhaupt vorkommenden Arten) vertreten sind. Diese eher kleinen, offenen Lebensgemeinschaften werden immer wieder durch das lokale Aussterben von Arten und Neubesiedlungen charakterisiert, die vor allem durch das wechselnde Nahrungsangebot bedingt sind.

Bei landwirtschaftlich genutzten Flächen ist die Diversität der Arten in den meisten Fällen erheblich niedriger. Trotzdem lässt sich von einer geringeren Artenvielfalt nicht unbedingt auf eine geringere funktionelle Diversität schließen. Was diesen Zusammenhang betrifft, existieren eine Vielzahl von Hypothesen, die bei experimenteller Überprüfung in der Vergangenheit zu divergierenden Ergebnissen führten und die stark von den lokalen Gegebenheiten des jeweiligen Ökosystems abhängig sind.

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