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Biodiversität

Evolution und Artbildung

Abb.1
Ammonit aus dem Jura

In der Taxonomie spielt der Begriff der Spezies oder Art (von lat. species) eine wichtige Rolle. Obwohl Philosophen bereits im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung Theorien zur Abstammung und der Veränderlichkeit der Arten aufgestellt hatten, waren die Wissenschaftler vor 1800 generell der Überzeugung, dass, in Einklang mit der Schöpfungsgeschichte, alle derzeitigen Arten schon immer in dieser Form existiert haben und Arten damit konstante Einheiten des Lebens sind.

Zweifel kamen allerdings auf, als in größerem Maßstab Fossilien entdeckt wurden, die den derzeitigen Arten zwar ähneln, die aber auch abweichende Merkmale aufweisen.

Jean-Baptiste de Lamarck

Der wohl erste Versuch, diese Veränderung der Arten zu erklären, stammt von dem französischen Biologen Jean-Baptiste Pierre Antoine de Monet, Chevalier de Lamarck (1744-1829). Seine Untersuchungen an fossilen Weichtieren im Pariser Becken legten eine stufenweise Abfolge von einfachen zu komplexeren Lebewesen nahe, die in Lamarcks Augen ganz klar auf einem Wandel (einer Evolution) beruhte. Er war davon überzeugt, dass im Laufe des individuellen Lebens erworbene Fähigkeiten vererbt werden können - die Giraffe hat nach seiner Vorstellung deshalb einen langen Hals, weil sie sich immer nach den oberen Blättern der Baumkronen strecken muss. Diese Theorie (auch Lamarckismus genannt) fasste er in zwei Gesetzen zusammen:

  1. Der Gebrauch von Organen fördert ihre Weiterentwicklung, während ihr Nichtgebrauch eine Rückentwicklung bewirkt.
  2. Alle erworbenen Eigenschaften werden von den Eltern auf ihre Nachkommen vererbt.
Abb.2
Versteinerter Fisch aus dem Jura

Aber wie wir heute wissen, gilt diese Vererbung erworbener Eigenschaften nur in einem sehr kleinen Bereich der Epigenetik. Durch die Ernährung und andere Faktoren beeinflusste Muster der DNA-Methylierung und die damit verbundene Aktivität bzw. Inaktivität von Genen können in der Tat auf die Nachkommen übertragen werden.

Gene sind an sich äußerst stabile Einheiten des Genoms, die allerdings durch Fehler der DNA-Polymerase bei der Replikation und durch chemische oder physikalische Prozesse wie z.B. Radioaktivität oder UV-Strahlung verändert werden können - die Mutationen. Lamarck öffnete mit seiner Vorstellung von im Laufe der Erdgeschichte veränderten Arten die Türen für Wissenschaftler wie Charles Darwin und Ernst Haeckel, die die heute akzeptierten Evolutionstheorien geprägt haben.

Charles Darwin

Die Begriffe Evolution, Artbildung und natürliche Selektion sind vor allem mit Charles Darwin verknüpft, der 1859 sein Buch "The Origin of Species" veröffentlichte. Darin stellt er die These auf, dass die verschiedenen Arten durch immer wieder auftretende zufällige Veränderungen und eine natürliche Auswahl entstanden sind. Nur der am besten Angepasste unter den Nachkommen setzt sich durch und kann sich vermehren (Selektionstheorie, Selektionsmechanismen). Demzufolge haben alle Arten einen gemeinsamen Ursprung (Deszendenztheorie).

Wie Merkmale von den Eltern an die Kinder weitergegeben werden können und warum sich Merkmale nicht immer mischen, konnte Darwin zunächst nicht erklären. Erst durch Gregor Mendel (1865) und seine Kreuzungsversuche bekam die Theorie von Darwin auch eine genetische Basis und führte damit zur Synthetischen Evolutionstheorie (Neodarwinismus).

Gregor Mendel und die Mendel'schen Regeln

Moderen Theorien und religiös orientierte Konzepte zur Entstehung der Arten

Die heute allgemein akzeptierten Evolutionstheorien leiten sich aus dem Darwinismus bzw. der Synthetischen Evolutionstheorie ab. Wissenschaftler wie Ernst Mayr integrierten Ansätze der Populationsbiologie, der Zellforschung und Erkenntnisse der Genetik und schufen so z.B. die Systemtheorie der Evolution. Es gibt aber auch religiös ausgerichtete Theorien zur Evolution wie z.B. den Kreationismus und das Intelligent Design, beides Denkansätze, die einen Schöpfer oder einen göttlichen Plan postulieren und die damit der darwinistischen Evolutionstheorie entgegenstehen.

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