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Biodiversität

Artensterben

Die Anzahl der heute existierenden Arten kann nur grob geschätzt werden. Der Evolutionsbiologe E.O. Wilson bringt dieses in seinem Zitat von 1988 treffend auf den Punkt: "Thus remarkably, we do not know the true number of species on Earth, even to the nearest order of magnitude (...). My own guess, based on the described fauna and flora and many discussions with entomologists and other specialists, is that the absolute number falls somewhere between 5 and 30 million." ("Erstaunlicherweise kennen wir die genaue Zahl der Arten auf der Erde nicht, nicht einmal die Größenordnung (...). Ich glaube, auf der Basis der beschriebenen Fauna und Flora und vielen Diskussionen mit Entomologen und anderen Spezialisten, dass sich die genaue Anzahl irgendwo zwischen 5 und 30 Millionen bewegt")

Wie viele Arten es heute wirklich gibt, mag für die Biodiversität auch eher von akademischem Interesse sein. Viel wichtiger ist die Frage nach den bedrohten oder in den letzten Jahren ausgestorbenen Arten. Dass allein mit der zunehmenden Abholzung des tropischen Regenwaldes eine große Anzahl nicht beschriebener Arten aussterben werden, steht dabei außer Frage. Man nimmt an, dass weltweit jährlich etwa 17.500 Arten verschwinden, was einer etwa um den Faktor 1.000 erhöhte Rate im Vergleich zu den fossil dokumentierten Aussterberaten entspricht. Aber auch diese Zahl ist mit Vorsicht zu sehen, denn von den ca. 250.000 fossil dokumentierten Tieren und Pflanzen sind 95 % marine Spezies, während das nur auf 15 % der heute bekannten Arten zutrifft - ein direkter Vergleich ist also schwierig (R.M. May, 1995).

Das große Artensterben am Ende der Kreidezeit

Artensterben hat es schon immer gegeben, in den meisten Fällen war dieser Prozess langsam und ist heute nur durch Fossilfunde belegbar. Aber auch Katastrophen haben das Leben auf der Erde geprägt. Am Ende der Kreidezeit, vor 65 Millionen Jahren, schlug ein etwa 10 km großer Asteroid in der Nähe der Halbinsel Yucatáan (Mexiko) in das damals hier existierende Flachmeer ein. Der Aufprall löste eine weltweite Flutwelle aus. Zudem wurden enorme Mengen an Staub und mehrere Hundert Milliarden Tonnen an CO2, SO2 und Wasserdampf in die Atmosphäre freigesetzt, die die Sonneneinstrahlung für lange Zeit abschirmten und das Klima weltweit erheblich beeinflussten.

Als Folge dieser Katastrophe mit gigantischen Ausmaßen starben vermutlich die Hälfte aller Pflanzen und Tiere, u.a. auch die Ammoniten und die Dinosaurier, aus. Der Einschlagkrater mit einem Durchmesser vom 200km, der nach dem Fischerdorf Chicxulub benannt ist, wurde 1991 entdeckt und stützt damit die bereits 1980 formulierte Theorie von Luis und Walter Alverez.

Ausgestorbene und bedrohte Arten

Aussterben ist das Verschwinden von Arten durch exogene und endogene Faktoren, während im Gegensatz dazu der Begriff Ausrottung die Extinktion einer Art durch den Menschen bezeichnet. Ausgerottet wurden beispielsweise die flugunfähigen neuseeländischen Moas (Dinornithidae) und die Dodos (Dronte, Raphus cucullatus) auf Mauritius sowie der Riesenalk (Alca impennis), ein ebenfalls flugunfähiger Seevogel. Die zebraähnlichen Quaggas (Equus quagga quagga), die noch im 19. Jahrhundert in großen Herden das südwestliche Afrika bevölkerten, starben nach intensiver Bejagung durch europäische Siedler 1883 mit dem letzten, im Amsterdamer Zoo lebenden Exemplar aus. Ebenfalls ausgerottet wurden Stellers Seekuh (Hydrodamalis gigas; seit 1741) und der Bali-Tiger (Panthera tigris balica; seit 1935). Der nordamerikanische Bison (Bison bison), europäische Wisente (Bison bonasus) und viele Walarten haben die Ausrottung durch den Menschen nur knapp überlebt, dank der Einführung gesetzlicher Schutzmaßnahmen und internationaler Abkommen.

Zu den ausgestorbenen Pflanzenarten zählt überraschenderweise der allseits bekannte Knoblauch (Allium sativum), der ursprünglich aus Zentral- und Südasien stammt und schon seit über 5.000 Jahren als Heil- und Würzpflanze genutzt wird. Die Zuchtformen dieser Pflanze haben mittlerweile die Ursprungsform vollständig verdrängt.

In Deutschland publiziert das Bundesamt für Naturschutz die so genannte Rote Liste, in der die gefährdeten Tier- und Pflanzenarten und ihre Gefährdungssituation detailliert aufgeführt sind.

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Abb.1
Gefährdungssituation für Tierarten in Deutschland

Situation für alle Wirbeltierarten und ausgewählte Arten wirbelloser Tiere in Deutschland nach einer Evaluation im Jahr 1998; insgesamt wurden 35 % der ca. 45.000 einheimischen Tierarten bewertet. Quelle: Rote Liste der einheimischen Tiere, Bundesamt für Naturschutz.

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Abb.2
Gefährdungssituation für Pflanzenarten in Deutschland

Bewertet wurden insgesamt ca. 50 % der ca. 28.000 einheimischen Pflanzenarten nach einer Evaluation im Jahr 1996. Etwa 40 % der untersuchten Arten stehen auf der Roten Liste, fast 4 % davon sind ausgestorben oder verschollen. Quelle: Rote Liste der einheimischen Pflanzen, Bundesamt für Naturschutz.

Die aktuelle Rote Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) geht von weltweit ca. 1,6 Millionen bekannten Arten aus, davon sind knapp 60.000 Arten Wirbeltiere. Etwa 20 % der Säugetiere galten 2007 als gefährdet, für die gesamte Gruppe der Wirbeltiere liegen die Schätzungen zwischen 10 und 23 %. Dieses Artensterben ist vor allem durch den Eingriff des Menschen in die natürlichen Lebensräume bedingt.

Artenschutz für Mikroorganismen?

Anders als für Pflanzen und Tiere existiert für Mikroorganismen keine Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Dieses liegt zum Teil an der nur ansatzsweise bekannten Artenvielfalt, aber auch an der weltweiten Verbreitung und der enormen Überlebensfähigkeit dieser Lebewesen, die teilweise gegenüber Austrockung, Strahlung oder Hitze erstaunlich resistent sein können. Ganz im Gegensatz zu üblichen Artenschutzprogrammen stehen daher die Bemühungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, bestimmte mikrobielle Krankheitserreger (z.B. der Lepra, von der derzeit weltweit 1,6 Milliarden Menschen bedroht sind, Tuberkulose, Malaria) auszurotten, was trotz aller Anstrengungen bisher nicht gelungen ist.

Weitere Links

Link zu weiteren ausgestorbenen Tieren und Pflanzen bzw. ausgestorbenen Vögeln.

Link zur Weltgesundheitsorganisation.

Link zur Roten Liste der bedrohten Arten der IUCN1) (Video How to search the Red List)

1)IUCN: International Union for Conservation of Nature and Natural Resources
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