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Biodiversität

Biodiversität

Abb.1
Die Erde

Der Begriff "Biodiversität" hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem zentralen Schlagwort der Naturschutz-Diskussion entwickelt. Dieser von dem Biologen E.O. Wilson geprägte Begriff (Wilson gab 1988 ein Buch mit diesem Titel heraus) wird oft im negativen Sinne verwendet, wenn vom Artensterben oder dem Verlust genetischer Variabilität in einem bestimmten Ökosystem die Rede ist. Biodiversität ist aber weitaus mehr als die heutige Artenvielfalt und umfasst 3,5 Milliarden Jahre der Evolution, im Verlaufe derer vermutlich 99 % der jemals existierenden Arten wieder von der Erde verschwunden sind.

Durch den zunehmenden Eingriff des Menschen wurde der Verlust an biologischer Vielfalt in den vergangenen Jahren enorm beschleunigt, so dass nun Maßnahmen erforderlich sind, die einerseits die Nutzung der Ressourcen ermöglichen, andererseits aber auch Aspekte wie Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit berücksichtigen. Der Verlust der Biodiversität ist nicht nur ein ökologisches Problem, sondern hat auch weit reichende soziale und ökonomische Konsequenzen. Pflanzen und Tiere sind nicht nur für unser Überleben unentbehrlich, wir nutzen auch immer mehr ihre Dienstleistungen und ihre Erfindungen für unsere Gesundheit und in der Industrie.

Nach dem internationalen Übereinkommen über biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) ist Biodiversität definiert als die Vielfalt der Arten und Ökosysteme auf der Erde, die es im Zuge einer globalen Umweltpolitik zu schützen gilt. Globaler Umweltschutz setzt aber ein staatenübergreifendes und einheitliches Konzept von Biodiversität voraus, das auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen beruht. Was genau eigentlich Biodiversität ist und anhand welcher Kriterien sich die Vielfalt des Lebens messen lässt, ist trotz der intensiven Diskussionen über dieses Thema nicht eindeutig zu beantworten. Oft werden die folgenden vier (Haupt-)Aspekte genannt, wenn von Biodiversität die Rede ist:

  • Artendiversität, also die Vielfalt an Arten in einem Ökosystem,
  • genetische Diversität umfasst zum Einen die genetische Variation innerhalb einer Art (also die Verschiedenheit aller Gene), aber auch die Vielfalt von nur sehr entfernt miteinander verwandten Gruppen von Lebewesen in einer Population,
  • Ökosystem-Diversität bezeichnet die Vielfalt an verschiedenen Lebensräumen (Habitaten) und Ökosystemen und
  • funktionelle Biodiversität bezieht sich auf die Vielfalt an ökologischen Prozessen oder Stoffkreisläufen innerhalb eines Ökosystems (z.B. die Summe aller produzierten Metaboliten oder die Stoffumsatz-Kapazitäten).

Die CBD hat eine Reihe von Indikatoren für Biodiversität zusammengestellt, anhand derer sich verschiedene Ökosysteme miteinander vergleichen lassen. Zu diesen Indikatoren zählen beispielsweise das Vorkommen (Abundanz) und die Verteilung von Arten, die Fläche geschützter Areale (z.B. Naturschutzgebiete), Art und Ausdehnung von Waldflächen, die Qualität von Meer- und Süßwasser und auch die Anzahl der Träger von indigenem oder traditionellem Naturwissen, also die Ureinwohner.

Primäre Ziele zum Erhalt der Biodiversität sind die nachhaltige Nutzung von Ressourcen, der Erhalt der Arten- und Ökosystemvielfalt und auch eine Vorhersage des Wandels. Dazu ist eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Ökosysteme notwendig, d.h. die Erfassung aller Lebewesen eines Ökosystems und ihre Beschreibung, ihre Evolution und die Interaktion mit anderen Lebewesen. Die Biodiversitätsforschung hat also eine Vielzahl von Fascetten, die über die reine Beschreibung der Arten weit hinausgeht. Einige dieser Aspekte und ausgewählte Ökosysteme werden auf den folgenden Seiten dargestellt.

Literatur

Wilson, E. O. (1988): Biodiversity. National Academy of Sciences/Smithsonian Institution, ISBN: 0-309-03739-5
(1992): The Diversity of Life. E. Wilson O. (Hrsg.). Harvard University Press, ISBN: 0-674-21299-1
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