Auswahlregeln für spektroskopische Übergänge: Allgemeines
Zur Herleitung von Auswahlregeln bei spektroskopischen Übergängen betrachtet man das
Übergangsmatrixelement, welches in Fermis Goldener Regel auftaucht:
(1)|
I
=
〈
Ψ
f
|
−
μ
x
⋅
E
(
t
)
|
Ψ
i
〉
=
−
E
0
⋅
e
x
⋅
cos
(
ω
⋅
t
)
⋅
∫
Ψ
f
*
μ
x
Ψ
i
d
τ
mit
d
τ
=
d
r
1
....
d
r
2
︸
Elektronenkoordinaten
⋅
d
R
1
...
d
R
N
A
︸
Kernkoordinaten
|
Ist das Übergangsmatrixelement gleich Null, dann heißt der entsprechende Prozess
verboten, ist es ungleich Null, dann ist der Übergang erlaubt.
Bei der Beantwortung der Frage, ob ein Übergangsmatrixelement verschwindet, stellt die
Gruppentheorie ein effektives Hilfsmittel dar. Allein anhand von
Symmetrie-Betrachtungen kann festgestellt werden, ob Integrale verschwinden oder nicht,
ohne dass man eine (häufig aufwendige) Berechnung durchführen muss. Es gilt der Satz:
Ein Integral ist nur dann von Null verschieden, wenn der Integrand - hier das Produkt
Ψ
f
μ
Ψ
i
- unter allen Symmetrietransformationen invariant ist. In der Sprache der
Gruppentheorie heißt das, dass der Integrand
Ψ
f
μ
Ψ
i
wie die totalsymmetrische Darstellung transformieren muss, um nicht zu
verschwinden.
In der Praxis betrachtet man die Symmetrien von
Ψ
f
,
μ
und
Ψ
i
getrennt und berechnet das so genannte direkte Produkt. (Zur Erinnerung: Die
Charaktere der Darstellung eines direkten Produktes sind gleich den Produkten der
Charaktere der Darstellungen der ursprünglichen Funktionen). Anhand des direkten
Produktes kann festgestellt werden, ob sich der Integrand
Ψ
f
μ
Ψ
i
wie die totalsymmetrische Darstellung transformiert. Tut er dies nicht für
mindestens eine Komponente (x, y oder z), dann verschwindet das zugehörige Integral
notwendig. Die Symmetrien von
Ψ
i
μ
und
Ψ
f
müssen im Einzelfall betrachtet werden. Die Auswertung des
Transformationsverhaltens des molekularen Dipolmoments wird vereinfacht durch die
Beobachtung:
μ
x
transformiert sich wie die x-Koordinate
μ
y
transformiert sich wie die y-Koordinate
μ
z
transformiert sich wie die z-Koordinate Das Transformationsverhalten der
Koordinaten x, y und z ist in der Charaktertafel der Punktgruppe des betrachteten Moleküls
angegeben.
Molekulares Dipolmoment
Es fehlt noch die Definition des molekularen
Dipolmomentes. Das klassische Dipolmoment einer Menge von Ladungen lautet:
(2)|
μ
→
=
(
μ
x
μ
y
μ
z
)
=
∑
i
q
i
⋅
r
→
i
,
q
i
=
Ladung
,
r
→
i
=
Ortsvektor
|
Für ein Molekül erhält man als Ausdruck für das Dipolmoment:
(3)|
μ
→
=
(
μ
x
μ
y
μ
z
)
=
∑
i
−
e
⋅
r
→
i
︸
Elektronen-Anteil
+
∑
A
Z
A
⋅
R
→
A
⋅
e
︸
Kern-Anteil
,
e
=
Elementarladung
|