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1 - Einleitung zur Themenreise Wirkstoffe

Virale Erkrankungen

Viele bis heute unheilbare und für viele Menschen tödliche Krankheiten werden durch Viren ausgelöst. Es handelt sich dabei um Mikroorganismen, die nur aus in Proteinhüllen verpackten Nucleinsäuren bestehen. Mit Hilfe dieses Materials werden Zellen eines befallenen Wirtes auf die Produktion von Viren derselben Art umgestellt.

Bei der Infektion gelangt entweder nur die Nucleinsäure oder das intakte Viruspartikel in die Zelle, in der dann die Nucleinsäure freigegeben wird. Die in die Zelle gelangte virale Nucleinsäure dirigiert den Zellstoffwechsel so um, dass vor allem Virusbausteine synthetisiert werden.

Fast alle Virusinfektionen erzeugen Immunität gegen eine nochmalige Infektion durch diesen Virus. Heute sind rund 1500 Viren unterschiedlicher Gestalt bekannt. Viren können bei fast allen Lebewesen auftreten. Manche Viren haben ein enges Wirtsspektrum (das menschliche Pocken-Virus befällt beispielsweise nur den Menschen), andere besiedeln sehr viele Arten.

Historie

Abb.1
Schematische Zeichnung eines Grippe-Virus

In den vergangenen Jahrhunderten forderten virale Epi- und Pandemien regelmäßig unzählige Tote. So fielen der weltweiten Grippe-Epidemie im Jahre 1918 mehr als 22 Millionen Menschen zum Opfer.

Zum Spektrum der viralen Krankheiten gehören z.B. Röteln, Masern, Herpes, grippale Infekte, Grippe, Ebola, Aids und einige Formen der Hepatitis. Viele dieser Krankheiten konnten bis heute nicht unter Kontrolle gebracht werden. Die Behandlung wurde in der Vergangenheit meist durch das Immunsystem unterstützende Medikamente und Naturheilmittel durchgeführt. Wirkstoffe, die gezielt in den Fremdorganismus bzw. dessen Stoffwechsel eingreifen, waren eher eine Seltenheit. Mit dem Aufkommen neuer rationeller Methoden und der Kristallstrukturanalyse von Enzymen konnten jedoch bessere, selektivere und wirksamere Stoffe entwickelt werden.

Wirkungsweise

Zur Bekämpfung von Viren werden ähnliche Methoden eingesetzt wie bei bakteriellen Infektionen, jedoch sind die Möglichkeiten zum direkten Angriff der Viren stark eingeschränkt, da diese meist nur aus einer einfachen Proteinhülle und der darin enthaltenen genetischen Information bestehen. Aus diesem Grund sind die in der Wirtszelle mit Hilfe der übertragenden Gene produzierten Proteine das Ziel des Angriffs. So wird z.B. bei der Entwicklung neuer Medikamente zur AIDS-Therapie die für die Fortpflanzung dieses Virus notwendige HIV-Protease untersucht.

Wirkstoffe, die in der Lage sind, dieses Enzym zu inhibieren, können das Virus an seiner Vermehrung hindern. Andere Zielproteine dieses Virus sind die reverse Transkriptase und die HIV-Integrase. Auf Grund der Fähigkeit des Virus, außerordentlich schnell zu mutieren und so Resistenzen gegenüber vorhandenen Medikamenten auszubilden, ist es häufig notwendig, die Behandlung mit Hilfe einer Kombinationstherapie durchzuführen. Auf diese Weise gelingt es, die Virusvermehrung auf unterschiedlichen Wegen zu verhindern.

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