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3.1 - Cimetidin - Magengeschwüre

Ursachen

Die wichtigsten Substanzen, die zur Zersetzung der Nahrung im Magen sekretiert werden, sind das eiweißspaltende Enzym Pepsin (wird vom Magen als Proenzym Pepsinogen ausgeschieden) und Salzsäure. Die Säure dient zur Senkung des pH-Wertes, da Pepsin nur unterhalb eines pH-Wertes von 4 aktiv ist. Die entscheidende Bedeutung der Salzsäure für die Zersetzung der Nahrung und die Geschwürbildung ist lange bekannt, jedoch wurden die Ursachen lange nicht verstanden.

Die naheliegendste Ursache von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren scheint die übermäßige Salzsäure-Produktion (Hypersekretion) in Zusammenhang mit verminderter Abwehr der Magenschleimhaut zu sein. Die Salzsäure wird im Magengrund und -körper gebildet, um die rasche Verdauung der aufgenommenen Nahrung einzuleiten. Die Säureproduktion wird gesteigert durch scharfe Speisen, Alkohol, Nicotin, Medikamente und psychischen Stress. Dies geschieht einerseits durch örtliche Reizung der Magenschleimhaut, andererseits über die Magennerven (Nervus Vagus).

Magensäure wird durch bestimmte Magenwandzellen in den Magenraum ausgeschüttet. Diese Zellen sind mit Nerven gekoppelt, die durch das autonome Nervensystem gesteuert werden. Wenn das autonome Nervensystem stimuliert wird, führt dies zur Aussendung eines Signals an die Magenwandzellen, das in einer Ausschüttung des Neurotransmitters Acetylcholin an den Nervenenden gipfelt. Acetylcholin überwindet die Lücke zwischen den Nervenenden und den Magenwandzellen und aktiviert die cholinergen Rezeptoren der Magenwandzellen. Dies führt zur Ausschüttung von Magensäure in den Magenraum. Ausgelöst werden diese Vorgänge durch den Anblick, den Geruch oder sogar den Gedanken an Nahrung. Daher wird sogar Magensäure produziert, wenn noch keine Nahrung den Magen erreicht hat.

Abb.1
Magensäure-Sekretion

Die Magensäure-Sekretion wird durch Nervenimpulse ausgelöst

Andere Nerven stimulieren eine Region im Magen, die als Antrum (Höhle) bezeichnet wird. Dort befinden sich hormonproduzierende Zellen, die das Hormon Gastrin produzieren. Dieses Hormon ist ebenfalls für die Ausschüttung der Magensäure verantwortlich, so dass die Blockierung der Gastrin- bzw. Acetylcholin-Rezeptoren zu einer Verminderung der Säureproduktion führen sollte.

Da die Magensäure zur Vorbereitung des Abbaus von Proteinen in der Nahrung dient, muss die Magenwand gegen diesen Prozess geschützt werden. Gemeinhin wird angenommen, dass dies zum einen durch eine Schleimhaut geschieht, die durch starke Sekretion von Schleim durch schleimproduzierende Zellen die Magenwand schützt, zum anderen auch durch die Magendrüsen, die ebenfalls die Magensäure sekretieren.

Weiterhin gilt heute als gesichert, dass die Infektion mit einem Bakterium namens Helicobacter pylori eine wesentliche Verursacherrolle bei der Entstehung von Magengeschwüren spielt. Die Infektion mit Helicobacter pylori ist sehr weit verbreitet. Ca. 30 % der deutschen Bevölkerung sind Träger dieses Keims. Warum jedoch nur ein kleiner Anteil der Betroffenen an einem Geschwür erkrankt, ist derzeit noch nicht bekannt.

Die Bekämpfung dieses Bakteriums mittels einer antibiotischen Behandlung senkt nicht nur überzeugend das Risiko an einem neuen Geschwür zu erkranken, sondern auch das Risiko einer erneuten Geschwürblutung.

Die Ursachen für die Zellschutzmechanismen nicht erkrankter Personen sind bisher nicht bekannt. Sie sind jedoch Gegenstand der aktuellen Forschung.

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