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3.1 - 3.5 - Cimetidin (gesamt)

Historie

Die Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren hat eine lange Geschichte. Zu Beginn stand die Aufklärung von Wirkmechanismen, die die Grundlage für die Entwicklung neuer Arzneimittel bildete.

Die Entwicklung in der Therapie ging über mehrere Phasen, wobei gute Medikamente häufig durch bessere abgelöst wurden. Zu Beginn der historischen Behandlung von Magengeschwüren standen Antacida, später Anticholinergika. Bei schweren Fällen half häufig nur eine Operation. Die Entwicklung der ersten rein medikamentösen Behandlungsmethoden in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts brachten den Durchbruch.

In den folgenden Jahren wurden wirksamere Medikamente entwickelt und weitere Verbesserungen durch die Kombination mit Antibiotika erreicht. Die zukünftige Entwicklung von Impfstoffen stellt vermutlich die erfolgreichste Möglichkeit zur Behandlung bzw. Vorbeugung von Magengeschwüren dar.

Über Jahrzehnte hinweg bestand die Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren nur in der Reduktion der Säuremenge. Es galt gemeinhin das Motto: keine Säure, kein Geschwür. Die Reduktion wurde z.B. durch Natriumhydrogencarbonat, Calciumcarbonat, basische Magnesiumsalze und Aluminiumoxid-Hydrat erreicht. Weiter fortgeschrittene Geschwüre mussten jedoch chirurgisch behandelt werden.

Abb.1
Klassische Mittel zur Säurereduktion

Die zur Säurereduktion eingesetzten Salze wirken zwar normalerweise schnell und effizient, sie eignen sich jedoch nicht für eine längere Behandlung. Auftretende Nebenwirkungen sind beispielsweise eine dauerhafte Alkalose, Flüssigkeitsrückgang und Verstopfung. Alternativ wurde ein Hydrat-Komplex von Aluminiumhydroxid mit Octasulfat-Saccharose (Sucralfat) eingesetzt. Dieser wirkt im Gegensatz zu den anderen Salzen als schleimbildendes Agens. Es hat weder eine säurereduzierende Wirkung, noch wirkt es heilend auf die Magengeschwüre. Man nimmt an, dass der Hydrat-Komplex als Barriere für Säuren und den für Magengeschwüre mitverantwortlichen Stoff Pepsin wirkt und auf diese Weise die Magenschleimhaut schützt.

1964 begann die Arbeitsgruppe um James Black bei Smith Kline & French in England mit der Untersuchung völlig neuer Wirkmechanismen der Magensäure-Sekretion. Auf diese Weise wurde das erste Medikament gegen Magengeschwüre entwickelt, das in den siebziger Jahren eine Revolution in der Behandlung von Patienten mit Magengeschwüren bedeutete. Für die Forschung auf diesem Gebiet und die Entwicklung des Wirkstoffes Cimetidin erhielt James Black später neben einem englischen Adelstitel auch den Nobelpreis.

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