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3.1 - 3.5 - Cimetidin (gesamt)

Cimetidin

Die Entwicklung des Ulcus-Therapeutikums Cimetidin stellt einen Meilenstein in der Geschichte der Pharmazie dar. Bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurden Leitstrukturen meist nach beliebigen Methoden modifiziert, um bessere Wirkstoffe zu erhalten. Diese Variationen der Leitstruktur basierten jedoch meist auf trial and error-Methoden. So konnten zwar viele medizinisch wertvolle Wirkstoffe entwickelt werden, jedoch waren diese Arbeiten aus heutiger Sicht eine Verschwendung von Aufwand und Zeit.

Abb.1
Struktur von Cimetidin

Die Entwicklung des Wirkstoffs Cimetidin zeigt jedoch, wie elegant selbst ohne Zuhilfenahme rechnergestützter Optimierungsverfahren eine Leitstruktur gezielt modifiziert werden kann. So konnte eine völlig neue Wirkstoffklasse gefunden werden.

Die Anwendung von grundlegenden Gesetzmäßigkeiten, die vor der Entwicklung von Cimetidin auf den Gebieten der physikalischen und organischen Chemie und der Biochemie entdeckt wurden, führten zum ersten Histamin H2-Rezeptorblocker.

Außergewöhnlich an diesem Projekt war jedoch die Tatsache, dass zu Beginn der Forschung im Jahre 1964 weder eine Leitstruktur vorhanden noch bekannt war, ob der vermutete H2-Rezeptor überhaupt existierte. Man wußte zwar, dass das Hormon Histamin die Magensäure-Sekretion stimuliert, jedoch waren die bis zu diesem Zeitpunkt bekannten Antihistaminika nicht in der Lage, die Sekretion zu reduzieren. Trotz dieser Fakten wurde jedoch im Labor von James Black bei Smith Kline & French die Forschung auf diesem Gebiet aufgenommen.

Ohne definierte Leitstruktur und ohne einen Beweis für die Anwesenheit des vermuteten Rezeptors, geschweige denn unter Zuhilfenahme einer Röntgenstrukturanalyse des Rezeptors, waren die Ausgangsvoraussetzungen denkbar schlecht. Als Ergebnis dieser Anstrengungen wurde jedoch eines der erfolgreichsten Medikamente des vergangenen Jahrhunderts entwickelt und so Millionen von Menschen geholfen.

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