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4.1 - 4.5 - Grippe (gesamt)

Immunsystem – Impfung – Influenza   –   Teil 2

Das Immungedächtnis ist die entscheidende Grundlage für das Funktionieren einer Impfung (Vakzination). Bei einer Impfung werden dem potentiellen Wirtsorganismus (Mensch, Haustier, Nutztier) die relevanten Antigene des Erregers in einer nicht infektiösen Form verabreicht. Diese so genannten Vakzine sind z.B. die reinen Oberflächenantigene oder vollständige, aber inaktivierte Erreger (Viren, Bakterien, etc.). Dadurch wird eine primäre Immunantwort gegen die Antigene des Erregers ausgelöst, ohne dass die Gefahr einer Erkrankung (Infektion) besteht. Kommt das Immunsystem dann zu einem späteren Zeitpunkt mit dem echten, infektiösen Erreger in Kontakt, so wird das Antigen wiedererkannt und es wird eine sekundäre Immunantwort ausgelöst, die jetzt schnell und stark genug ist, um eine massenhafte Erregervermehrung von vornherein zu verhindern. Der Wirtsorganismus ist durch die Impfung gegen den Erreger immun geworden.

Abb.1
Kleine Spritze mit Influenza-Impfstoff

Bei vielen Erregern ändert sich die Struktur der Antigene im Laufe der Jahre praktisch gar nicht oder wenig. Das Immunsystem erkennt nach einer ersten Infektion oder Impfung auch viele Jahre später noch die Antigene des Erregers und bekämpft diese effektiv mit einer sekundären Immunantwort. Der Impfschutz gegen solche Infektionskrankheiten wie z.B. Masern, Tetanus (Wundstarrkrampf) oder Poliomyelitis (Kinderlähmung) bleibt deswegen viele Jahre erhalten.

Bei den Influenza-Viren ist das allerdings anders!

Die Struktur der Oberflächenantigene der Influenza-Viren, die Proteine Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (NA), ändert sich sehr häufig. In jeder Grippesaison treten deswegen neue Virusvarianten (siehe auch Influenza-Viren und Nomenklatur) in Erscheinung, deren Antigene HA und/oder NA sich von denen der vorherigen Saison mehr oder weniger stark unterscheiden. Infolgedessen erkennt das Immunsystem den Erreger kaum oder im Extremfall auch gar nicht mehr. Die sekundäre Immunantwort fällt dann schwächer aus oder unterbleibt sogar völlig. Außerdem binden die infolge der sekundären Immunantwort gebildeten Antikörper nicht so fest an die Antigene der neuen Virusvariante, weil ihre Struktur spezifisch auf die Antigene der alten Virusvariante abgestimmt ist. Die durch die Impfung des Vorjahres erworbene Immunität gegen das Influenza-Virus besteht gegenüber den neuen Viren nur noch teilweise, bei besonders großen strukturellen Änderungen der Antigene HA und/oder NA durch antigenic shifts, die zu neuen Virus-Subtypen führen, unter Umständen auch überhaupt nicht mehr.

Um einen ausreichenden Impfschutz zu gewährleisten, muss also vor jeder Grippesaison mit von der neuen Virusvariante abgeleiteten Vakzinen neu geimpft werden. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn neu auftretende Varianten des Influenza-Virus rechtzeitig erkannt werden und geeignete Vakzine gegen das neue Virus hergestellt werden können.

Übung: Influenza - Impfung

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