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2.3 - Aspirin - Krankheiten

Blutgerinnung - Thromboxan A2 - Aspirin

Das System der Blutstillung oder Hämostase ist ein lebenswichtiger Schutzmechanismus, der zu große Blutverluste bei Gefäßverletzungen verhindert. Ohne Hämostase würden schon die kleinsten Gefäßöffnungen zu lebensgefährlichen Blutungen führen. Die Hämostase ist ein komplexer, in mehreren Phasen ablaufender Vorgang, an dem eine Vielzahl von Faktoren beteiligt ist. Im Folgenden wird die Hämostase nicht in allen Einzelheiten betrachtet. Die Rolle von Thromboxan A2 (TXA2), dessen Biosynthese durch Aspirin gehemmt wird, soll aber näher erläutert werden.

Abb.1

Primäre Hämostase und TXA2

Die Innenwand eines Blutgefäßes ist mit einer Schicht aus Endothelzellen ausgekleidet. Nach der Verletzung einer Gefäßwand treten die Bestandteile des Blutes mit subendothelialen Strukturen in der Basalmembran, insbesondere auch mit verschiedenen Collagen-Typen, in Kontakt, die bei intaktem Gefäß verdeckt sind. Vermittelt durch den von-Willebrandt-Faktor kommt es zur Anlagerung (Adhäsion) von Thrombocyten (Blutplättchen) an die subendothelialen Strukturen. Der von-Willebrandt-Faktor ist ein multimeres Plasmaprotein, das ubiquitär im Blut vorhanden ist. Durch den Adhäsionvorgang kommt es zu einer Aktivierung der Thrombocyten, die zur Aggregation mit weiteren im Blut vorbeiströmenden Thrombocyten und zur Biosynthese und Ausschüttung verschiedener Substanzen wie Serotonin und TXA2 führt, die die folgenden Stufen der Hämostase fördern. TXA2 erfüllt in erster Linie zwei Aufgaben:

1. TXA2 wirkt lokal vasokonstriktorisch (gefäßverengend) und vermindert somit den Blut-Volumenstrom an der verletzten Stelle.

2. TXA2 steigert vor allem auch die irreversible Aggregation von Thrombocyten erheblich.

Als Ergebnis der primären Hämostase wird das Blutgefäß durch einen so genannten weißen Thrombus aus aggregierten und miteinander verschmolzenen Thrombocyten wieder geschlossen. Der weiße Thrombus bildet aber keinen dauerhaft stabilen Verschluss. Ein endgültiger Verschluss erfolgt anschließend durch die sekundäre Hämostase oder Blutgerinnung.

Sekundäre Hämostase

Die zweite Phase der Hämostase ist die eigentliche Blutgerinnung, die im Endeffekt zur Bildung eines so genannten roten Thrombus aus quervernetztem Fibrin mit eingeschlossenen Erythrocyten (rote Blutkörperchen) führt, der die Verletzungsstelle endgültig und dauerhaft verschließt. An der Blutgerinnung sind eine Reihe von Proteinen beteiligt, die Gerinnungsfaktoren. Diese sind in einer inaktiven Form ständig ubiquitär im Blut vorhanden und werden im Laufe der Gerinnung Schritt für Schritt enzymatisch aktiviert, bis schließlich aus dem löslichen Fibrinogen das Fibrin gebildet wird. Fibrin lagert sich aufgrund seiner besonderen strukturellen Eigenschaften zu unlöslichen Fibringerinnseln zusammen, die die Wunde verschließen.

Auslöser der Blutgerinnung
Die Blutgerinnung wird durch den Kontakt der Gerinnungsfaktoren mit der Oberfläche der aktivierten Thrombocyten des während der primären Hämostase gebildeten Thrombocyten-Aggregats ausgelöst.

Aspirin und Hämostase

Zusammenhang zwischen TXA2-Biosynthese und Blutgerinnung
Eine Hemmung der TXA2-Biosynthese in den Thrombocyten durch Aspirin führt zu einer verminderten irreversiblen Thrombocyten-Aggregation und somit auch zu einer verringerten Aktivierung der Gerinnungskaskade.

Therapeutische Dosen von Aspirin haben aus diesem Grunde durchaus eine verlängerte Blutungszeit zur Folge, sie verhindern die Hämostase aber keineswegs vollständig, was lebensgefährliche Blutungen verursachen würde. Der Effekt der verlängerten Hämostase bei Verletzungen ist natürlich nicht erwünscht. In Anbetracht der positiven Auswirkungen der Hemmung der Thrombocyten-Aggregation ist dieser kleine, kontrollierbare Nachteil aber akzeptabel.

Übung: Aspirin - Blutgerinnung

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