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2.3 - Aspirin - Krankheiten

Fieber - Prostaglandine - Aspirin

Die Aufrechterhaltung einer konstanten Körperkerntemperatur von 37 °C ist für den dauerhaft optimalen, reibungslosen Ablauf der Stoffwechselvorgänge im menschlichen Organismus von größter Bedeutung. Für die Temperaturregulation ist ein komplexes System aus Thermorezeptoren, einer zentralen Steuereinheit im Gehirn (im Hypothalamus) und verschiedenen Mechanismen zur direkten Temperaturbeeinflussung verantwortlich.

Aus den Signalen, die von den Thermorezeptoren in den verschiedenen Körperregionen zum Hypothalamus im Gehirn geleitet werden, ergeben sich die Ist-Temperaturen des Körperkerns (innere Organe im Kopf, im Brust- und Bauchraum) und der Körperschale (Haut und Extremitäten, etc.). Weicht die Ist-Temperatur des Körperkerns von der Soll-Temperatur ab, werden vom Hypothalamus Steuersignale ausgesandt, die direkt zu einer Temperaturänderung in Richtung Soll-Temperatur führen:

  • Bei zu hoher Ist-Temperatur wird die Durchblutung der Hautgefäße durch Vasodilatation (Gefäßerweiterung) gesteigert und damit eine vermehrte Wärmeabgabe an die Umgebung ermöglicht. Außerdem kann die Schweißsekretion erhöht werden, so dass dem Körper durch die Verdunstung des Schweißes zusätzlich Wärme entzogen wird (Verdunstungskälte).
Abb.1
  • Bei zu niedriger Ist-Temperatur werden die Durchblutung der Hautgefäße durch Vasokonstriktion (Gefäßverengung) und die Schweißsekretion entsprechend verringert, um die Wärmeabgabe an die Umgebung soweit möglich zu unterbinden. Zudem wird durch vermehrte Stoffwechselaktivität, z.B. in Form von Muskelzittern, zusätzliche Wärmeenergie im Körper erzeugt.
Abb.2

Im Zusammenhang mit mikrobiellen Infektionen, insbesondere wenn sie durch Viren verursacht werden, gerät die normale Temperaturregulation häufig scheinbar außer Kontrolle, es tritt Fieber auf. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine gezielte, durch die infolge der Infektion ausgelöste Immunantwort gesteuerte Temperaturerhöhung mit wichtigen Funktionen:

  • Die meisten Krankheitserreger wachsen und vermehren sich bei der erhöhten Temperatur schlechter.
  • Gleichzeitig wird die Immunantwort auf die Infektion durch die höhere Temperatur weiter angekurbelt.
  • Schließlich sind die Wirtszellen bei der erhöhten Temperatur vor der zerstörerischen Wirkung des Cytokins Tumor-Nekrose-Faktor-α (TNF-α) geschützt.

Fieber hat also wichtige biologische Funktionen und sollte nicht unter allen Umständen bekämpft werden. Wenn die Temperatur aber zu hohe Werte erreicht oder das Fieber zu lange anhält, so dass lebenswichtige physiologische Vorgänge in Gefahr geraten, ist eine medikamentöse Intervention durchaus angezeigt.

Wie können Aspirin und andere NSAIDs (nonsteroidal antiinflammatory drugs) dabei helfen?

Im Rahmen der Immunantwort auf eine virale oder bakterielle Infektion wird von den Zellen des Immunsystems eine Vielzahl von Substanzen produziert, durch die die Vorgänge und Phasen der Immunantwort gesteuert und koordiniert werden. Von bestimmten Immunzellen, den Makrophagen und neutrophilen Granulocyten, werden u.a. die endogenen Pyrogene Interleukin-1 (IL-1) und Interleukin-6 (IL-6) sowie TNF-α gebildet und sezerniert (ausgeschieden). Die Bezeichnung endogene Pyrogene ist Programm, da sie körpereigenen Ursprungs (endogen) sind und Fieber hervorrufen (pyrogen).

Abb.3

Nach der Sekretion durch die Immunzellen gelangen die endogenen Pyrogene über den Blutkreislauf auch zum Hypothalamus. Dort induzieren sie u.a. die Biosynthese und Freisetzung von Prostaglandin E2 (PGE2). PGE2 beeinflusst als lokal wirkendes Hormon die Aktivität des Hypothalamus in der Weise, dass die Mechanismen der Erhöhung der Körperkerntemperatur ausgelöst werden (Vasokonstriktion der Hautgefäße, Muskelzittern in Form von Schüttelfrost, Reduktion der Schweißsekretion). Dabei ist PGE2 offenbar der zentrale und entscheidende Signalüberträger bei der Fieberentstehung im Hypothalamus, da Mikroinjektionen (im Tierversuch) von Hemmern der Prostaglandin-Biosynthese in den Hypothalamus die Fieberentstehung durch endogene Pyrogene verhindern können.

Auf diese Weise wird somit zumindest ein Teil der antipyretischen (fiebersenkenden) Wirkung von Aspirin und anderen NSAIDs wie Paracetamol, die die Prostaglandin-Biosynthese hemmen, verständlich.

Eine Absenkung der Körperkerntemperatur unter die normale Temperatur von 36 bis 37 °C durch Aspirin oder andere NSAIDs ist dabei nicht zu befürchten, weil PGE2 zwar für die Erhöhung der Temperatur eine große Rolle spielt gleichzeitig aber zum Erhalt der normalen Temperatur keine ständige PGE2-Ausschüttung im Hypothalamus erforderlich ist.

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