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2.1 - Aspirin - Historie und Allgemeines

Historie IV - Neue Wirkungen von Aspirin

Als Analgetikum, Antipyretikum und Antiphlogistikum wurde Aspirin bereits seit seiner Markteinführung im Jahre 1899 verwendet. Doch später sind interessante und wichtige neue Indikationsgebiete hinzu gekommen.

In den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts stellte der kalifornische Arzt Lawrence Craven fest, dass es zum Teil zu erheblichen Blutungen kam, wenn Aspirin nach Mandeloperationen als Analgetikum verabreicht wurde. So kritisch die Verwendung von Aspirin bei dieser speziellen Indikation nach Cravens Beobachtungen auch beurteilt werden musste, ergab sich daraus aber die Idee für ein völlig neues Anwendungsgebiet! Könnte Aspirin positive Wirkungen auf Gefäßerkrankungen, bei denen von einer zumindest teilweise gehemmten Blutgerinnung und einer besseren Durchblutung Verbesserungen des Krankheitsbildes zu erwarten sind, ausüben?

Eine Vielzahl von groß angelegten klinischen Studien in den folgenden Jahren und Jahrzehnten zeigten, dass Aspirin vor allem vorbeugende Wirkungen bei Erkrankungen wie

Vorbeugende Wirkungen von Aspirin bei ...
  • Thrombosen und Embolien nach Operationen,
  • Schlaganfällen, insbesondere nach dem Auftreten von Vorstadien (Transiente Ischämische Attacken, TIA),
  • instabiler Angina pectoris und
  • Herzinfarkten

entfaltet.

Aspirin wurde dann mehr und mehr auch in diesen Indikationsgebieten eingesetzt. Die Wirkprinzipien, die für die analgetischen, antipyretischen, antiphlogistischen und antikoagulativen Eigenschaften des Aspirins verantwortlich sind, waren lange Zeit völlig unbekannt.

Abb.1

Den Grundstein für die Aufklärung des Wirkprinzips des Aspirins legten die Arbeiten des englischen Pharmakologen John R. Vane im Jahre 1971. Dieser beschäftigte sich mit den hormonähnlichen Prostaglandinen, die von dem schwedischen Physiologen Ulf von Euler bereits zu Beginn der dreißiger Jahre entdeckt worden waren. Vane stellte in einer großen Zahl von Tierexperimenten fest, dass Aspirin die Biosynthese eben dieser Prostaglandine hemmt.

Die schwedischen Forscher Sune Bergström und Bengt Samuelsson identifizierten in den 1960er Jahren die ubiquitär in allen Zellmembranen vorkommende Arachidonsäure als biosynthetischen Vorläufer der Prostaglandine.

Auch wenn mit diesen Erkenntnissen allein der Wirkmechanismus des Aspirins noch nicht geklärt war, so wurde durch sie doch die entscheidende Grundidee für nachfolgende Forschungsarbeiten geschaffen. Die Ergebnisse von Vane, Bergström und Samuelsson legten die Annahme nahe, dass Aspirin irgendwo auf dem Biosyntheseweg zwischen der Arachidonsäure und den Prostaglandinen hemmend eingreift.

Für ihre Arbeiten wurden John R. Vane, Sune Bergström und Bengt Samuelsson 1982 gemeinsam mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Um die Wirkungen des Aspirins wirklich verstehen zu können, mussten vor allem zwei weitere Fragenkomplexe erforscht und beantwortet werden:

Fragenstellungen zu Aspirinwirkungen
  • Wie verläuft die Prostaglandin-Biosynthese genau, durch welche Enzyme wird sie katalysiert und an welcher Stelle greift Aspirin mit welchen molekularen Wechselwirkungen und Mechanismen ein?
  • Welche Rolle spielen die Prostaglandine in den vom Aspirin beanspruchten Indikationsgebieten wie Schmerzen, Entzündungen, Fieber und den verschiedenen Gefäßkrankheiten?

Übung: Aspirin - Neue Wirkungen

Literatur

Bergström, S.; Ryhage, R.; Samuelsson, B.; Sjövall, J. (1963): Prostaglandines and Related Factors. In: J. Biol. Chem.. 238 , 3555-3564
Vane, J. (1971): Inhibition of Prostaglandin Synthesis as a Mechanism of Action for Aspirin-like Drugs. In: Nature New Biol.. 231 , 232-235
Bergström, S. (1983): Prostaglandine: Vom Labor zur Klinik (Nobel-Vortrag). In: Angew. Chem.. 95 , 865-873
Kuhnert, N. (2000): Kuhnert, N., Hundert Jahre Aspirin® - Die Geschichte des wohl erfolgreichsten Medikaments des letzten Jahrhunderts. In: Pharm Unserer Zeit. 29 , 32-39
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