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2.1 - Aspirin - Historie und Allgemeines

Historie II - Weidenrinde, Salicin, Salicylsäure

Anfang des 19. Jahrhunderts begannen die Wissenschaftler damit, nach aktiven Substanzen in den bekannten Heilpflanzen zu suchen. Eine der ersten biologisch aktiven Verbindungen, die in reiner Form isoliert wurden, war im Jahre 1804 das Morphin.

Die für die Wirkungen der Weidenrinde verantwortliche Substanz wurde in reiner Form zuerst von Johann Buchner im Jahre 1828 isoliert. Der Professor für Pharmazie an der Universität München erhielt eine kleine Menge nadelförmiger, gelber, bitter schmeckender Kristalle, denen er den Namen Salicin gab. Wenig später war man auch in der Lage durch verbesserte Extraktionsverfahren größere Mengen Salicin aus der Weidenrinde zu gewinnen.

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Abb.1
Salicin
Abb.2
Salicin als 3D-Modell

Der italienische Chemiker Raffaele Piria oxidierte im Jahre 1838 an der Sorbonne in Paris Salicin mit Dichromat. Dabei erhielt er neben einem Zucker eine aromatische Substanz (Salicylaldehyd), die er durch Destillation abtrennte und anschließend mit ätzender Pottasche umsetzte. Das Produkt war eine Carbonsäure, die er "Acide salicylice", Salicylsäure, nannte.

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Abb.3
Salicylalkohol
Abb.4
Salicylalkohol als 3D-Modell
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Abb.5
Salicylaldehyd
Abb.6
Salicylaldehyd als 3D-Modell
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Abb.7
Salicylsäure
Abb.8
Salicylsäure als 3D-Modell

Dem Marburger Professor Hermann Kolbe gelang schließlich die Aufklärung der Struktur der Salicylsäure. Seine zunächst allerdings irrige Annahme, es handele sich um 3-Hydroxybenzoesäure und nicht um 2-Hydroxybenzoesäure, wurde 1870 durch die Arbeiten von V. Meyer korrigiert. Hermann Kolbe entwickelte außerdem eine chemische Synthese für die Salicylsäure aus Phenol, Kohlendioxid und Natrium, bei der man das Natriumsalicylat erhält und die man heute unter dem Namen Kolbe-Schmitt-Synthese in den Lehrbüchern findet. Im Jahre 1874 wurde mit der industriellen Produktion der Salicylsäure nach der Kolbe-Schmitt-Synthese begonnen. Zu diesem Zweck gründete Friedrich von Heyden, ein Schüler und Freund Hermann Kolbes, eine kleine Fabrik in Dresden, die späteren Arzneimittelwerke Dresden. Die Salicylsäure war in der Zwischenzeit ein begehrtes Arzneimittel geworden. Nun konnte Salicylsäure für etwa ein Zehntel des bisherigen Preises angeboten werden. Zuvor war Salicylsäure durch Hydrolyse von Methylsalicylat (Salicylsäuremethylester) aus dem amerikanischen Wintergrün industriell hergestellt worden.

Übung: Aspirin - Salicin, Salicylsäure

Literatur

Brown, T.; Dronsfield, A.; Ellis, P.; Parker, J. (1998): Aspirin - how does it know where to go?. In: Educ. Chem.. , 47-49
Jourdier, S. (1999): A miracle drug. In: Chem. Br.. , 33-35
Kuhnert, N. (2000): Kuhnert, N., Hundert Jahre Aspirin® - Die Geschichte des wohl erfolgreichsten Medikaments des letzten Jahrhunderts. In: Pharm Unserer Zeit. 29 , 32-39
Titel des Artikels
Kuhnert, N., Hundert Jahre Aspirin® - Die Geschichte des wohl erfolgreichsten Medikaments des letzten Jahrhunderts
Abstract
Vor hundert und einem Jahr, am 1. Februar 1899, wurde Aspirin als Warenzeichen beim Berliner Patentamt unter der Nummer 36433 eingetragen. Der Name ergibt sich aus A für Acetyl und spirin für Spiraea ulmaria, dem Mädesüßkraut. Um die Lorbeeren der erstmaligen chemischen Synthese der Acetylsalicylsäure dürfen sich drei Wissenschaftler streiten. In der chemischen Literatur wird Acetylsalicylsäure erstmalig im Jahr 1853 erwähnt, synthetisiert von dem französischen Chemielehrer Charles Frederic Gerhardt [1]. Gerhardt, der an einer Privatschule in Paris arbeitete, berichtete über die Isolierung einer kristallinen Substanz, nachdem er Natriumsalicylat mit Acetylchlorid gemischt hatte. Gerhardt versuchte jedoch nicht, diese Substanz zu reinigen und verzichtete darauf, ihre chemische Struktur aufzuklären. Sechs Jahre später berichtete der Chemiker H. von Gilm über Acetylderivate der Salicylsäure [2]. Als wahre Geburtsstunde der Acetylsalicylsäure kann jedoch der 10. August 1897 angesehen werden. An diesem Tag vermerkt Felix Hoffmann, ein Chemiker der Firma Bayer, in seinem Laborjournal die Isolierung von Acetylsalicylsäure in reiner Form. Von der Synthese bis zur ersten klinischen Anwendung der Acetylsalicylsäure (ASS) verging seinerzeit nur ein Jahr. Ein weiteres Jahr verging bis zur Eintragung des Warenzeichens und damit zur kommerziellen Einführung [3].
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