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2.1 - Aspirin - Historie und Allgemeines

Historie I - Die Weidenrinde [1,2,3]

Abb.1
Aus der Rinde der Weide wurden Extrakte gewonnen, die bei Schmerzen, Fieber und Entzündungen eingesetzt wurden.

Als Naturheilmittel gegen Schmerzen und Fieber finden salicylathaltige Naturstoffextrakte seit über 2400 Jahren Anwendung. Schon etwa 500 v.Chr. soll die Weidenrinde in China als Arznei in Gebrauch gewesen sein. Hippokrates (460 bis 375 v.Chr.) verwendete Extrakte aus Weidenrinde als Schmerzmittel u.a. bei Geburtswehen. Im Corpus Hippocraticum, einer von alexandrinischen Gelehrten um 300 v.Chr. erstellten Sammlung medizinischer Schriften, wird Weidenrinde als Mittel gegen Schmerzen und Fieber bereits schriftlich genannt.

In den folgenden Jahrhunderten finden sich immer wieder Hinweise auf die Verwendung von Extrakten salicylathaltiger Pflanzen wie Weiden, Pappeln, Buchen und Mädesüß.

  • Caius Plinius Secundus (23 bis 79 n.Chr.) verwendete Aufgüsse aus Pappelrinde bei Ischiasbeschwerden und den Saft aus Weidenrinde als Diuretikum (harntreibendes Mittel).
  • Etwa 100 n.Chr. beschreibt der griechische Arzt Dioscorides Weidenrinde als entzündungshemmendes Mittel (Antiphlogistikum).
  • Die Weidenrinde war zwischenzeitlich schon fast in Vergessenheit geraten, bis sie im 18. Jahrhundert von Reverend Edward Stone aus Oxfordshire wiederentdeckt wurde. Zu dieser Zeit war die Malaria in England weit verbreitet. Das einzige verfügbare, fiebersenkende Mittel (Antipyretikum) war Chinin (heute weiß man, dass Chinin direkt in den Lebenscyclus der Malariaerreger eingreift und somit vor allem die kausale Behandlung der Erkrankung zur Fiebersenkung führt). Chinin wurde aber immer knapper und teurer, weil es aus der Chinarinde gewonnen wurde, die aus Südamerika importiert werden musste. Reverend Stone stellte fest, dass die Rinde der heimischen Weide einen ähnlichen bitteren Geschmack hatte wie die des Chinarindenbaumes. In den Jahren 1757 bis 1763 testete er die Wirkung von Weidenrinde an etwa 50 Malariapatienten. Die sehr guten fiebersenkenden (antipyretischen) Eigenschaften, die die Weidenrinde bei diesen Versuchen gezeigt hatte, beschrieb er 1763 in einem Brief an die Royal Society of Medicine.
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Abb.2
(-)-Chinin
Abb.3
(-)-Chinin als 3D-Modell

Trotz dieser Erkenntnisse bezüglich der analgetischen (schmerzhemmenden) und antipyretischen Wirkungen der heimischen Weidenrinde konnte diese die etablierten Arzneien Chinin gegen Fieber und Opium gegen Schmerzen zunächst nicht verdrängen. Im 19. Jahrhundert gewann die Weidenrinde aber erheblich an Bedeutung. Infolge der Kontinentalsperre durch Napoleon (1806 n.Chr.) wurde die Chinarinde in Europa noch schwerer erhältlich und die Preise für Chinin explodierten. Zusätzlich wurden die Gefahren der Opiumsucht zu Beginn der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts immer offensichtlicher. Die Weidenrinde erlebte daraufhin eine Renaissance als Naturheilmittel.

Drei der mengenmäßig wichtigsten der über 40 Opiumalkaloide sind Morphin, Codein und Narcotin

Abb.4
Morphin
Abb.5
Codein
Abb.6
(–)-Narcotin
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Abb.7
Morphin als 3D-Modell
Abb.8
Codein als 3D-Modell
Abb.9
(–)-Narcotin als 3D-Modell

Literatur

Brown, T.; Dronsfield, A.; Ellis, P.; Parker, J. (1998): Aspirin - how does it know where to go?. In: Educ. Chem.. , 47-49
Jourdier, S. (1999): A miracle drug. In: Chem. Br.. , 33-35
Kuhnert, N. (2000): Kuhnert, N., Hundert Jahre Aspirin® - Die Geschichte des wohl erfolgreichsten Medikaments des letzten Jahrhunderts. In: Pharm Unserer Zeit. 29 , 32-39
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