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2.1 - 2.5 - Aspirin (gesamt)

Gefäßkrankheiten - Thromboxan A2 - Aspirin

Abb.1

Worin bestehen nun die positiven Auswirkungen der Hemmung der TXA2 -Biosynthese durch Aspirin?

Gefäßverschlusskrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall (Hirninfarkt) zählen zu den häufigsten und den am meisten gefürchteten Todesursachen in den industrialisierten Ländern der Erde. Als eine der Hauptursachen, die auch der breiten Öffentlichkeit inzwischen bekannt ist, gilt die Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Diese Gefäßerkrankung ist mit einer chronischen Entzündung der Gefäßwände korreliert, deren Ursachen erst unvollständig erforscht sind. Als Folge der chronischen Gefäßwandentzündung kommt es zu kontinuierlich anwachsenden Lipidablagerungen in den Gefäßwänden, die durch erhöhte Cholesterol-Konzentrationen, insbesondere durch erhöhte LDL-Konzentrationen (LDL = Low-Density Lipoprotein) bzw. oxLDL-Konzentrationen (oxLDL = oxidiertes LDL) im Blut zusätzlich gefördert werden. Diese Ablagerungen wachsen mit der Zeit so stark an, dass es zu mechanischen Schädigungen der Endothelzellen an den Gefäßinnenwänden kommt. In Kontakt mit den Bestandteilen des Blutes bilden sich aus den Lipidablagerungen calcifizierte, fibrotische Plaques. Diese können im Laufe der Zeit kontinuierlich soweit anwachsen, dass sie den Querschnitt des Gefäßes völlig verschließen.

Für den letztendlich vollständigen Verschluss eines Gefäßes ist aber meist ein anderer Vorgang verantwortlich. Die Schädigung der Endothelzellen durch die Bildung der artherosklerotischen Plaques führt auch zur Freilegung von subendothelialen Strukturen. Ist dieser Endotheldefekt erst einmal genügend groß, so kann es zur Adhäsion von Thrombocyten (vermittelt durch den von-Willebrandt-Faktor) kommen und die Thrombocyten-Aggregation (gefördert durch Thromboxan A2 ) sowie die Blutgerinnung können ausgelöst werden. Da das Gefäß aber nicht wirklich geöffnet ist, kommt es durch den gebildeten Fibrinthrombus (roter Thrombus) innerhalb von wenigen Minuten zum vollständigen Verschluss des Gefäßes, das zuvor noch mehr oder weniger gut durchblutet gewesen sein kann. Infolge des Gefäßverschlusses wird das von dem betroffenen Gefäß versorgte Gewebe nicht mehr durchblutet. Je länger der Verschluss bestehen bleibt, desto größere Teile des betroffenen Gewebes sterben ab und können dann ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Je nach Lage und Funktion des Gefäßes kommt es zu entsprechend schweren Herzinfarkten oder Schlaganfällen mit den dramatischen Auswirkungen, die von einer Beeinträchtigung dieser lebenswichtigen Organe zu erwarten sind.

Eine weitere Ursache für die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombose) innerhalb der Gefäße können Operationen sein, infolge derer Gefäße verletzt wurden. Diese Thrombosen können ebenfalls zum Verschluss des Gefäßes (Embolie) führen. Der Thrombus kann auch zunächst mit dem Blut von seinem Bildungsort weggeschwemmt werden und dann in einem anderen Organ ein Gefäß verstopfen. Besonders gefürchtet sind z.B. auf diese Weise entstehende Lungenembolien. Der dadurch verursachte Funktionsverlust der Lunge kann bis zum Tode führen. Die Thrombose-Prophylaxe ist deswegen nach praktisch jeder Operation ein absolutes Muss.

Aspirin - Thrombocyten-Aggregation - Gefäßkrankheiten
Aus diesen Zusammenhängen ergibt sich die positive, vorbeugende Wirkung von Aspirin bei den genannten Gefäßkrankheiten, weil in diesen Fällen die Hemmung der Thrombocyten-Aggregation und somit auch indirekt der Blutgerinnung einen Gefäßverschluss und damit den Herzinfarkt, den Schlaganfall oder die Thrombose verhindern kann. Außerdem ist denkbar, dass Aspirin bereits vor der Ausbildung arteriosklerotischer Plaques die chronische Gefäßwandentzündung durch die Hemmung der Prostaglandin-Biosynthese bekämpfen kann. Ob diese antiphlogistischen Eigenschaften des Aspirins auch bei der chronischen Gefäßwandentzündung zum Tragen kommen, muss aber noch durch weitere Forschungen abgeklärt werden.

Da die einzelnen Läsionen der Endothelzellschichten in den Gefäßen und des dahinter liegenden Gewebes bei der Arteriosklerose und auch nach Operationen mit anschließendem chirurgischem Gefäßverschluss in der Regel kleiner sind als bei offenen Verletzungen, tritt die Wirkung des Aspirins hier ausgeprägter zutage. So kann Aspirin schon in geringen Dosierungen Gefäßverschluss-Krankheiten relativ effektiv vorbeugen, auch wenn es bei offenen Verletzungen die Blutstillung normalerweise nicht vollständig verhindert sondern nur verlängert.

Antithrombotische Aspirin-Wirkung schon bei geringer Dosis - Ursache
Für die antithrombotischen Wirkungen von Aspirin sind außerdem geringere Dosen ausreichend als bei der Behandlung von Schmerzen, Fieber und Entzündungen. Aspirin hemmt die Cyclooxygenase (COX) und damit die TXA2 - und Prostaglandin-Biosynthese u.a. durch die irreversible Acetylierung einer bestimmten Aminosäure der Cyclooxygenase. Die Thrombocyten besitzen keinen Zellkern und somit auch keine DNA. Nach ihrer Entstehung sind sie deswegen nicht mehr in der Lage, neue Cyclooxygenase (oder andere Proteine) zu synthetisieren. Die Wirkung des Aspirins auf die Thrombocyten hält also während der gesamten Lebensdauer der Thrombocyten an. Diese beträgt etwa fünf bis zehn Tage. Für die gewünschte Wirkung genügt aus diesem Grunde die tägliche Einnahme von nur ca. 100 mg Aspirin, so dass die typischen Nebenwirkungen auch bei einer Dauereinnahme von Aspirin relativ gering gehalten werden können.

Übung: Aspirin - Gefäßkrankheiten

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