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Toxikodynamik - Grundlagen toxischer Wirkungen

Tierversuche in Deutschland und der EU

Prüfungen zur Toxizität einer Substanz sind gesetzlich vorgeschrieben. Im europäischen Chemikalienrecht gibt es etliche Richtlinien und Verordnungen, die im Rahmen von Stoff- und Verfahrensprüfungen Tierversuche fordern. Da das EU-Recht in dieser Hinsicht Vorrang vor dem nationalen Recht hat, sind Anbieter durch die EU-Gesetzgebung zu Tierversuchen im Rahmen von Sicherheitsprüfungen verpflichtet, selbst wenn das deutsche Recht diese Versuche nicht verlangt.

Im Jahr 2004 wurden in Deutschland 2.265.489 Tiere für Versuchszwecke eingesetzt, davon zu etwa 80 % Mäuse und Ratten. In der Europäischen Union werden jährlich schätzungsweise 10,7 Millionen Versuchstiere für wissenschaftliche Zwecke verbraucht (2002), und mit der neuen europäischen Chemikaliengesetzgebung (REACH1)-Programm) dürfte diese Zahl tendenziell noch steigen.

Bis 2018 sollen ca 30.000 Altchemikalien im Hinblick auf ihre toxikologischen Eigenschaften überprüft werden, was allerdings auch technisch kaum realisierbar ist. Selbst die toxikologischen Abteilungen großer Chemiekonzerne können pro Jahr etwa nur 10-11 dieser Tests mit herkömmlichen Tierversuchen und unter entsprechend großem finanziellen Aufwand durchführen. Allein 10.000 dieser Chemikalien soll dabei mit dem äußerst aufwändigen ReproTox-Test analysiert werden, der an trächtigen Mäusen durchgeführt wird und auch Spätfolgen an der jeweiligen Nachkommenschaft untersucht. Derartige Studien dauern ein bis zwei Jahre und können Kosten von ca. 150.000 Euro pro Wirkstoff verursachen.

1)REACH: Registration, Evaluation and Authorisation of Chemicals
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