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Quellen toxischer Substanzen im Alltag

Rauschmittel

Zu den zahlreichen Substanzen, die im pflanzlichen Sekundärmetabolismus synthetisiert werden, gehören auch Stoffe (vor allem Alkaloide), die beim Menschen pharmakologische Effekte hervorrufen und als Rauschmittel gezielt konsumiert werden. Der Effekt ist immer dosisabhängig; höhere Dosen dieser Substanzen wirken fast immer auch toxisch. Viele der populären Drogen sind Extrakte oder Derivate dieser pflanzlichen Sekundärmetaboliten, aber auch industriell hergestellte Chemikalien (z.B. Ethanol oder Diethylether) können als Drogen verwendet werden. Oft haben sich Substanzen, die heute als Drogen konsumiert werden, aus Medikamenten entwickelt - Heroin ist beispielsweise ursprünglich als Hustensaft verkauft worden, bevor das Abhängigkeitspotenzial dieses Stoffes erkannt wurde.

Rauschmittel sind psychoaktive Substanzen, die in den Gehirnstoffwechsel eingreifen und das Gleichgewicht der Botenstoffe beeinflussen. Die Änderung der Aktivität von Nervenzellen in bestimmten Hirnregionen verändert die Wahrnehmung des eigenen Selbst und der Umwelt und ruft so einen subjektiv angenehmen Zustand beim Konsumenten hervor, der unter bestimmten Bedingungen aber auch in eine sehr unangenehme Erfahrung umschlagen kann ("Horrortrip", Panik, Aggressivität, Suizidgefahr). Oft ist die richtige Dosierung schwierig, die nicht nur vom Stoffwechsel des Konsumenten, sondern vor allem vom oft nicht genau bekannten Wirkstoffgehalt und der Qualität des Rauschmittels bestimmt wird.

Die Aufnahme der Rauschmittel kann auf vielfältige Weise geschehen - sie können gegessen (Cocain), getrunken (Alkohol), geraucht (Haschisch), gekaut (Betel, Cocain), intravenös (Heroin) oder intranasal (Cocain) appliziert oder eingeatmet (Aceton, Ether) werden. Die Nebenwirkungen des Rauschmittelkonsums sind vom jeweiligen Stoff abhängig. Ebenso unterschiedlich ist auch das Potenzial für eine physische Abkängigkeit. Fehlt das jeweilige Suchtmittel, kommt es zu Entzugserscheinungen. Alle Rauschmittel erhöhen die Anfälligkeit eines Menschen für Drogen insgesamt, und die meisten scheinen das Risiko zu steigern, später an einer Schizophrenie zu erkranken.

Die Drogen aus dem pflanzlichen Sekundärmetabolismus können auf der Basis ihrer Stoffklasse eingeteilt werden in:

Abb.1
Indolalkaloide

Strukturformeln des Neurotransmitters Serotonin (5-Hydroxy-tryptamin oder 5-HT), der Halluzinogene Psilocin und Psilocybin aus Pilzen der Gattung Psilocybe sowie Lysergsäurediethylamid (LSD). Die blauen Bereiche kennzeichnen die Strukturverwandtschaft der Moleküle in Beziehung zu den Ringsystemen des LSD, wie den Indolethylamin-Kern (abc) des 5-HT und der Psilocybe-Halluzinogene.

Abb.2
Phenylethylamin-Derivate

Strukturformeln des Amphetamins, des Neurotransmitters Dopamin, des aus dem Peyote Kaktus (Lophophora williamsii) gewonnenen Mescalins und der synthetischen Droge Methylendioxy-N-methylamphetamin (MDMA, Ecstasy). Hier kennzeichnen die blauen Bereiche die Phenethylamin-Struktur (ac) im Vergleich zum Indolethylamin-Kern (abc) des LSD.

  • Terpenoide
    • Cannabinoide wie Cannabidiol (CBD) und Δ9-Tetrahydro-cannabinol (THC)
Abb.3
Δ9-Tetrahydro-cannabinol

Rauschmittel können aber auch auf der Basis ihrer Wirkung klassifiziert werden, also z.B. in Analgetika (Opiate), Halluzinogene (LSD, Mescalin, Psilocin, Psilocybin oder THC), Sedativa (Alkohol, Opiate) oder Stimulanzien (Amphetamin, Methylamphetamin, Cocain, Crack, Nicotin, Coffein).

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