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Quellen toxischer Substanzen im Alltag

Vergiftungen

In Deutschland regelt das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG) aus dem Jahr 1974, welche Zusatzstoffe Lebensmitteln zugesetzt werden dürfen. Antioxidanzien, fungistatische (das Pilzwachstum hemmende) und bakterizide (Bakterien tötende) Substanzen oder synthetische Geschmacks- und Farbstoffe sind dabei die häufigsten Zusätze (mehr zu diesem Thema finden Sie in der Lerneinheit Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten). Neben diesen bewusst zugesetzten Stoffen finden sich ebenso unbeabsichtigt in die Nahrung gelangte Kontaminanten, die in Spuren über unterschiedlichste Wege wie Boden, Wasser, Luft, während der Verarbeitung, aus Verpackungsmaterialien oder während der Zubereitung und Lagerung in die Produkte gelangen.

Vergiftungen durch adäquat gelagerte und rechtzeitig verbrauchte Lebensmittel sind daher heute kaum noch ein Thema, vielleicht abgesehen von der cancerogenen Wirkung der Aflatoxine aus schimmelnden Produkten. Auch die früher häufiger auftretende Botulinus-Vergiftung aus Clostridien in Konservendosen kommt kaum noch vor. In den Jahren 1995-2004 starben durchschnittlich 1,6 Personen pro Jahr durch Pilzvergiftungen (zum Vergleich: vier Tote pro Jahr durch Blitzschlag. Quelle: Statistisches Bundesamt zur Todesursachenstatistik).

In Deutschland treten pro Jahr trotzdem etwa 200.000 akute Vergifungsfälle auf, davon enden allerdings nur ein Bruchteil tödlich. Über die Hälfte der Fälle entfällt auf Kindern und Jugendlichen und ist zumeist auf Unfälle mit Haushaltsmitteln zurückzuführen. Bei Erwachsenen überwiegen Suizidversuche mit Schlafmitteln, Schmerzmitteln, Psychopharmaka o.ä. als Ursache für die Vergiftung (2006 starben 32.121 Menschen durch Verletzungen und Vergiftungen, davon 9.765 durch Suizid. Zum Vergleich: 1.296 Tote durch illegale Drogen. Quellen: Statistisches Bundesamt und polizeiliche Kriminalstatistik 2006).

Abb.1
Pestizidspray

Weitere Ursachen für Vergiftungen mit synthetischen Substanzen

Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmittel
Hier sind vor allem die Direktanwender (Landwirte, Gärtner, Hobbygärtner) bei unsachgemäßem Umgang, oft bei fehlendem Schutzmaßnahmen, durch eine hohe Exposition gefährdet. Durch die Verbreitung dieser Substanzen in Luft und Wasser sind gesundheitliche Beeinträchtigungen für die Menschen in der Umwelt nicht ganz auszuschließen, aber aufgrund der geringen Endkonzentrationen doch eher selten.
Organische Lösungsmittel
Neben dem Einsatz dieser chemisch heterogenen Stoffklasse - halogenierte und nicht-halogenierte, aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe, Alkohole, Ether - am Arbeitsplatz mit geeigneten Schutzmaßnahmen stellt die Verwendung dieser Stoffe im Haushalt ein unkontrolliertes Risiko dar. Solche Lösungsmittel sind in zahllosen Produkten enthalten: Abbeizmittel, Fleckenwasser, Desinfektionsmittel, Kleber, Parfüm, Pinselreiniger, Rasierwasser, (Reinigungs-)Benzin etc. Werden hier nicht die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen, kann es durchaus zu einer Vergiftung kommen. Das Mischen von verschiedenen aggressiven Haushaltsreinigern kann äußerst gefährlich sein, weil dabei chemische Reaktionen ablaufen und giftige Dämpfe produziert werden können.
Kosmetika
Vergiftungen mit sachgerecht angewendeten Kosmetika sind vergleichsweise selten, da gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe nach dem gültigen Lebensmittelrecht nicht enthalten sein dürfen. Die häufigsten unerwünschten Reaktionen auf Kosmetika sind dermatologische Nebenwirkungen wie Hautreizungen oder Allergien (allergische Kontaktdermatitis o.ä.).
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