zum Directory-modus

Quellen toxischer Substanzen im Alltag

Chemische Cancerogene

Abb.1
Kennzeichnung von sehr giftigen Stoffen

Besonders problematisch ist die Bewertung von Umweltsubstanzen in Hinsicht auf eine mögliche Krebs auslösende Wirkung, da zwischen der ersten Exposition und dem Ausbruch der Erkrankung viele Jahre liegen können. Für wenige Krebsarten liegt ein nachgewiesener Zusammenhang zwischen Exposition und dem Auftreten eines Tumors vor. Dies ist z.B. bei den durch Asbest verursachte Schäden der Fall, die sich anhand des faserhaltigen, zernarbten Lungengewebes deutlich zeigen lassen. Für viele andere Substanzen oder Substanzgemische ist eine krebsauslösende Wirkung aus Tierversuchen, epidemiologischen Untersuchungen und Fallbeschreibungen ermittelt worden.

Chemische Cancerogene gehören den verschiedensten chemischen Stoffklassen an

  • synthetische anorganische und organische Stoffe
  • natürliche anorganische und organische Stoffe
  • Fasern
  • komplexe Stoffgemische
  • Stoffe, die endogen, d.h. im Körper selbst aus dem Abbau einer eigentlich nicht gefährlichen Substanz (im Phase-I-Stoffwechsel), entstehen

Beispiele für Krebs erzeugende Stoffe

Abb.2
Toxizitätstests im Labor, hier an Pflanzen
IECS (2000)

Die Bewertung der gesundheitlichen Risiken einer Exposition gestaltet sich aber ausgesprochen schwierig. Moderne chemisch-analytische Methoden erlauben zwar den Nachweis solcher Stoffe in der Umwelt bis in den pmol-Bereich ( 10 -12 molL-1 ) hinein, aber das sagt wenig aus über die vom Menschen wirklich resorbierten Dosen. Eine Risikoabschätzung der Gefährdung muss daher auf der Basis von Tierversuchen vorgenommen werden, da Humandaten fast immer fehlen. Diese Studien werden mit standardisierten Versuchsprotokollen durchgeführt, bei denen die Tiere Stoffkonzentrationen ausgesetzt sind, die 10.000- bis 100.000-fach höher sein müssen als beim Menschen. Daten aus diesen Hochdosis-Versuchen werden dann auf die realen Expositionsverhältnisse beim Menschen extrapoliert, was ausgesprochen schwierig ist und nicht immer dem realen Gefährdungsgrad entspricht.

Allein der Nachweis eines cancerogenen Stoffes oder Stoffgemisches in der Umwelt ermöglicht noch lange keine Aussage über das Risiko einer Krebserkrankung. Um die Gefährlichkeit einer Chemikalie einordnen zu können, sind weitere Informationen notwendig:

  • Daten zur Biotransformation, d.h. ob und wie schnell dieser Stoff im Körper entgiftet wird, welche (potenziell gefährlichen) Metaboliten dabei entstehen, ob der Stoff in bestimmten Organen akkumuliert und welche Schäden dabei entstehen können,
  • Daten zur Zielstruktur und zum Wirkungsmechanismus, d.h. welche Strukturen im Organismus besonders sensibel auf die Anwesenheit des Stoffes reagieren und welche Wechselwirkungen oder Schäden auftreten,
  • Dosis-Wirkungs-Beziehungen (vor allem im Niedrigdosisbereich), also bei welcher Dosis messbare Schäden bei einer kurzzeitigen oder langfristigen Exposition zu beobachten sind, und
  • epidemiologische Studien, um die Häufigkeit, Verteilung und die mögliche Ursache einer Erkrankung festzustellen.
Seite 3 von 12