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Wellen - Einführung

Epilog: Abgrenzung der Begriffe Beugung und Interferenz

Ist Interferenz etwas anderes als Beugung? Zu dieser Frage äußern sich Autoren von Lehrbüchern recht unterschiedlich. So findet man in dem weltberühmten, großartigen Physiklehrbuch "The Feynman Lectures on Physics" folgende Bemerkung.

Keiner war jemals in der Lage, den Unterschied zwischen den Begriffen Interferenz und Beugung befriedigend zu definieren. Es ist eigentlich nur eine Frage ihres Gebrauchs, es besteht kein spezifischer, bedeutender Unterschied zwischen ihnen. Das Beste was wir etwa tun können ist zu sagen, dass das Resultat, wenn nur wenige (kohärente) Quellen betrachtet werden, sagen wir zwei, gewöhnlich als Interferenz bezeichnet wird. Liegt aber eine große Zahl von ihnen vor, so scheint das Wort Beugung häufiger verwendet zu werden.

Richard Feynman (sinngemäß übersetzt)

In der ChemgaPedia Lerneinheit Beugung und Interferenz aus dem Bereich Physik liest es sich etwas anders:

Beugung und Interferenz sind begriffliche Unterscheidungen für im Grund ein und dasselbe Phänomen: die Überlagerung von Licht, das sich wellenförmig ausbreitet. Betrachtet man eine einzelne Öffnung für sich, spricht man bevorzugt von Beugung. Möchte man über das Zusammenwirken mehrerer Öffnungen sprechen, benutzt man bevorzugt den Begriff Interferenz.

Wie lassen sich die beiden scheinbar verschiedenen Betrachtungsweisen auf einen Nenner bringen?

Dazu ein ganz anderes Beispiel: Eine Münze hat eine Vorder- und Rückseite, auch als Avers bzw. Revers bezeichnet. Beide Seiten sind untrennbar verbunden, sicher aber verschieden. Der Kaufmann sieht eher die Zahlenseite, den Wert, der Ästhet den kunstvollen Revers, z.B. die Form des Adlers en miniature.

Beugung und Interferenz sind wie Avers und Revers, sie lassen sich nicht trennen. Die Beugung einer einzigen Huygens'schen Elementarwelle können wir noch bei einer Wasserwelle sichtbar machen. Sehr viel schwerer ist es beim Licht. Erst die Überlagerung von vielen kohärenten Wellen und die damit verbundene konstruktive oder destruktive Interferenz macht hier die Beugung erkennbar. Das Problem liegt also darin, dass bei Wellen das schwer zu benennen ist, was bei Geld die Münze ist. Getrost kann also der Eine die Beugung (den Avers ) und der Andere die Interferenz (den Revers) bevorzugen, beide Phänomene treten in der Praxis meist sowieso zusammen auf.

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