Auf ein Molekül im Inneren einer Phase wirken von allen Seiten die gleichen anziehenden zwischenmolekularen Kräfte durch Nachbarmoleküle, die sich gegenseitig kompensieren. Für Moleküle in der Grenzfläche zwischen zwei nicht mischbaren Phasen liegen die energetischen Verhältnisse anders. Dabei muss zwischen zwei Fällen unterschieden werden.
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| Abb.1Fall 1 |
Die Abbildung stellt die Situation für eine reine Flüssigkeit und ihren koexistierenden Dampf dar. Die Gasphase hat eine geringere Dichte als die flüssige Phase. Daher hat das Teilchen an der Grenzfläche eine geringe Zahl nächster Nachbarn in weiterem Abstand als ein Teilchen innerhalb der Volumenphase. Seine Wechselwirkungsenergie ist somit geringer als die des Teilchens in der Volumenphase.
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| Abb.2Fall 2 |
Die Abbildung stellt die Verhältnisse an der Grenzfläche zwischen zwei nicht mischbaren Flüssigkeiten dar. Die mittlere Wechselwirkungsenergie zwischen Teilchen von zwei nicht mischbaren Flüssigkeiten ist geringer als die zwischen zwei Teilchen derselben Flüssigkeit.
In beiden Fällen sind die Wechselwirkungen des Teilchens in der Grenzfläche mit Molekülen in der Nachbarphase schwächer und daher mit einem geringeren Energiegewinn verbunden als die des Teilchens in der Volumenphase. Daraus folgend befinden sich die Moleküle in der Grenzfläche in einem energetisch höheren Zustand als die Moleküle im Inneren der Volumenphase. Diese zusätzliche Energie wird als Grenzflächenenergie bezeichnet. Es resultiert für diese Moleküle eine ins Innere der Phase gerichtete Kraft.
Um die Grenzflächenenergie zu minimieren, versucht das System, die Grenzfläche zu
anderen Phasen und somit die Zahl der in der Grenzfläche befindlichen Moleküle möglichst
gering zu halten. Dieses wird mit kugelförmigen Volumina erreicht, da eine Kugel von allen
geometrischen Körpern derjenige mit dem kleinsten Verhältnis von Oberfläche zu Volumen ist.
Vergrößert man die Grenzfläche, so müssen Moleküle aus dem Volumeninneren in die
energiereichere Grenzfläche gebracht werden. Die Arbeit, die aufgebracht werden muss um die
Grenzfläche
Der Proportionalitätskoeffizient
| Stoff | Wasser | Methanol | Ethanol | Benzol | Cyclohexanol | ||||||
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| Tab.1Grenzflächenspannung reiner Flüssigkeiten bei | |||||||||||
| Tab.2Grenzflächenspannung von Wasser bei verschiedenen Temperaturen | |||||
Die Grenzflächenspannung entspricht der reversiblen Arbeit, die aufzuwenden ist, um die Grenzfläche um eine Flächeneinheit zu vergrößern.
Die Grenzflächenarbeit wird als zusätzliches Glied in die Gibbs'schen
Fundamentalgleichungen eingeführt, in denen ansonsten noch die Volumenarbeit und die
Änderung der Stoffmengen
| - | innere Energie | |
| - | Enthalpie | |
| - | Helmholtz'sche freie Energie | |
| - | Gibbs'sche freie Enthalpie | |
| - | Entropie | |
| - | Temperatur | |
| - | Druck | |
| - | Volumen | |
| - | chemisches Potenzial der Teilchensorte i | |
| - | Stoffmenge der Spezies i |
Differenziert man nach
Bei konstantem Druck und konstanter Temperatur ist die Arbeit zur Vergrößerung der
Grenzfläche um
Da die freie Enthalpie
Je stärker die zwischenmolekularen Kräfte im Inneren der kondensierten Phase sind, desto größer ist die Oberflächenspannung. Flüssigkeiten haben eine kleinere Oberflächenspannung als ihre entsprechenden festen Formen. Substanzen mit Wasserstoffbrückenbindungen weisen eine größere Oberflächenspannung auf als Substanzen ohne Wasserstoffbrückenbindungen. Polare Substanzen haben eine größere Oberflächenspannung als unpolare Substanzen.