zum Directory-modus

Tutorial MenueProteinklassenLerneinheit 3 von 6

Strukturproteine

Die Vitamin C-Mangelkrankheit Skorbut

Definition
Die Vitamin C-Mangelerkrankung Skorbut (lat. scorbutus "Mundfäule") führt dazu, dass das Collagen im Bindegewebe nur unzureichend hydroxyliert werden kann. Brüchige Blutgefäße, Zahnfleischbluten, Zahnausfall, Blutungen der Haut und schlecht heilende Wunden sind die Folge. Mitunter sterben die Betroffenen auch an Herzmuskelschwäche.

Skorbut war eine bei Seefahrern äußerst gefürchtete Krankheit. Chronisten berichteten von mehr als 100 schweren Skorbut-Epidemien zwischen 1556 und 1857. Die Nahrung der Seefahrer bestand damals hauptsächlich aus Nahrungsmitteln, die praktisch kein Vitamin C enthalten - Schiffszwieback, Pökelfleisch und Heilbutt. Lange Zeit hielt man Skorbut für eine ansteckende Krankheit, da der Zusammenhang mit der Ernährung nicht unmittelbar zu erkennen war. Beim Menschen kommt es erst nach einem monatelang andauernden Vitamin C-Mangel zu den typischen Symptomen.

Zitat von Luis des Camoes (portugiesischer Dichter 1524-1580):

"Es faulte fort mit scheußlichem Gestank, und rings verpestete es die Luft umher, wir hatten keinen weisen Arzt, der Kranke fand selbst nicht einen kundigen Wundarzt mehr."

Der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama verlor 1498 bei seiner Fahrt um das Kap der Guten Hoffnung in Afrika ca. 100 von seinen insgesamt 160 Männern durch Skorbut. Und Jacques Cartier, der auf seine zweiten Seereise 1541/1542 bei der Erforschung des St. Lorenz-Stromes mit seinen Schiffen im kanadischen Eis überwinterte, beschrieb die Situation in seinen Logbucheinträgen so:

"Eine unbekannte Krankheit begann sich unter uns auf die härteste Art, die je gehört oder gesehen wurde, auszubreiten. Einige verloren all ihre Kraft und konnten nicht mehr auf den Füßen stehen. Dann schwollen ihre Beine. Ihre Muskeln schrumpften ein und wurden schwarz wie Kohle. Andere hatten ihre Haut gefleckt mit blutigen Stellen von purpurner Farbe. Dann stieg es hinauf zu ihren Fußknöcheln, Schenkeln, Schultern, Armen und Nacken. Ihre Münder wurden stinkend. Ihr Zahnfleisch wurde so faul, dass alles Fleisch bis zu den Wurzeln der Zähne abfiel und diese beinahe alle ausfielen. Mit solcher Ansteckungskraft breitete sich die Krankheit über unsere drei Schiffe aus, dass Mitte Februar von den 100 Personen, die wir waren, keine 10 mehr gesund waren."

Die Seefahrer Jaques Cartier (1535), Sir John Hawkins (1593), Sir James Lancaster (1601) und Johannes Dietz (1665) bemerkten wohl als Erste, dass Skorbut durch frisches Gemüse und Früchten verhindert werden konnte. Der Arzt Dr. James Lind empfahl 1753 in Edinburgh Zitrone, Orangen und Apfelwein gegen Skorbut. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bekamen die britischen Seeleute üblicherweise Zitronen- oder Limonensaft, um das Auftreten von Skorbut zu verhindern, und wurden daher als lime-juicers (übersetzt also etwa "die Limonensaftler") betitelt (dieser etwas abfällige Ausdruck limey für Engländer hat sich in Amerika bis heute erhalten). Aber auch im 20. Jahrhundert gab es noch unzählige Fälle von Skorbut; so z.B. im Ersten und Zweiten Weltkrieg und in den Konzentrations- und Zwangsarbeitslagern in Deutschland und der der Sowjetunion, die ein deutliches Bild von der schlechten Ernährungssituation in diesen Lagern geben.

1919 schlug Sir Jack Drummer vor, diesen Faktor der gegen Skorbut wirkte, mit dem Buchstaben C zu bezeichnen. Zilva isolierte 1920 erstmalig Vitamin C aus Zitronen und Albert Szent-Györgyi 1927 aus Paprikaschoten, Kohl und Nebennieren. Sir Walter Norman Haworth und Sir Edmund Hurst schlugen vor, der Skorbut-verhindernden Substanz den Namen L-Ascorbinsäure ("Vermeidung von Skorbut") zu geben. Im gleichen Jahr konnten sowohl Tadeus Reichstein als auch Sir Haworth Vitamin C synthetisieren. Heute wird Vitamin C im Prinzip noch immer nach dem von Reichstein beschriebenen Verfahren hergestellt.

Seite 12 von 15