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Bewegungsvorgänge

Physiologische und pathologische Muskelveränderungen

Physiologische Anpassungsreaktionen

  • Muskelatrophie (Muskelschwund) Bei der Muskelatrophie bleibt die Zellzahl zwar erhalten, aber der Proteingehalt der Zelle verringert sich. Dies bedeutet eine Verkleinerung des Muskelquerschnitts und damit eine deutlich verminderte Muskelleistung. Eine Inaktivitätsatrophie tritt auf, wenn z.B. ein Skelettmuskel längere Zeit nicht bewegt werden kann (durch einen Gipsverband). Neben der Inaktivitätsatrophie können auch neuromuskuläre Erkrankungen für einen Muskelschwund verantwortlich sein.
  • MuskelhypertrophieBei einer Hypertrophie bleibt die Zellzahl ebenfalls konstant, aber die Anzahl der Myofibrillen wird vergrößert. Dieses kann nur geschehen, wenn einerseits genügend Protein mit der Nahrung zugeführt wird und zweitens der Muskel über mehrere Wochen mehrmals am Tag mit 50 % der Maximalkraft belastet wird (z.B. durch Krafttraining). Hormone wie Testosteron oder Anabolika fördern eine Hypertrophie. Auch die glatte Muskulatur kann hypertrophieren, wenn z.B. in Hohlorganen wie Harnblase oder Prostata der Abfluss behindert wird. Wenn die Belastung wieder verringert wird, bildet sich die Hypertrophie langsam wieder zurück.
  • MuskelhyperplasieBei einer Hyperplasie steigt die Zellzahl. Dieses führt zu einer erheblichen Beeinflussung von Muskelfunktion und Leistungsfähigkeit des Muskels. Hyperplasien sind beim Menschen selten.

Störungen des Hormonhaushaltes

Auch Hormone und Transmitter steuern die Funktion der Muskeln im Körper. Daher wirken sich auch Erkrankungen des Hormonhaushaltes teilweise erheblich auf die Funktionsfähigkeit der Muskeln aus. Glucocorticoide (z.B. Cortisol) führen zu erhöhter Aminosäure-Mobilisierung bei verminderter Proteinsynthese, was zu einer Abnahme der Muskelmasse führt (kataboler Effekt). Testosteron hingegen hat einen anabolen Effekt, es stimuliert die Proteinsynthese und fördert damit den Muskelaufbau.

Primäre und sekundäre Myopathien

Muskelerkrankungen im engeren Sinne werden in primäre Myopathien (Krankheiten der Zellen des Muskelgewebes) und sekundäre Myopathien (Erkrankung oder Verletzung der motorischen Nerven) eingeteilt.

Die primären Myopathien

  • Progressive Muskeldystrophiensind schwere, genetisch bedingte Krankheiten, bei denen das Muskelgewebe durch Fett- und Bindegewebe ersetzt wird. Die Krankheiten werden daher auch als Pseudo-Hypertrophien bezeichnet, weil die erkrankten Muskeln zunächst besonders kräftig erscheinen. Die Dystrophien bilden eine Gruppe von 17 Muskelkrankheiten, die sich in Ausprägung, Verlauf und Vererbungsmuster vom Muskelschwund und der Muskelschwäche unterscheiden. Zu diesen Krankheiten gehört auch die Duchenne-Muskeldystrophie, bei der in den meisten Fällen als erstes Becken- und Hüftmuskulatur in Bindegewebe umgewandelt wird, was zu einer schweren Störung der Muskelfunktion führt. Ursache ist ein Mangel an Dystrophin (ein Membranprotein).
  • Myositidensind eine Gruppe von Muskelentzündungserkrankungen, die durch Erreger wie Bakterien und Viren oder durch Autoimmunerkrankungen hervorgerufen sein können. Beispiele sind Polymyositis und Dermatomyositis.
  • Myastheniensind eine Gruppe von Autoimmunerkrankungen, bei der die Impulse nicht korrekt vom motorischen Nerv auf den Muskel übertragen werden. Bei der i. A. nicht erblichen Myasthenia gravis werden Antikörper gegen den Acetylcholin-Rezeptor gebildet und die motorischen Endplatten geschädigt. In den meisten Fällen sind zuerst Muskeln im Gesicht und im Rachenraum betroffen.

Die sekundären Myopathien

  • Muskelatrophiensind in diesem Zusammenhang bedingt durch eine Erkrankung der motorischen und/oder sensiblen Nerven, die durch Verletzungen oder Entzündungsprozesse hervorgerufen sein können. Die häufigsten entzündlichen Muskelerkrankungen sind die erblichen spinalen Muskelatrophien (SMA), die nichterbliche amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und die neuralen Muskelatrophien.
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