zum Directory-modus

Tutorial MenueHormoneLerneinheit 5 von 5

Botenstoffe der Pflanzen

Oligosaccharine

Definition
Oligosaccharine sind natürlich vorkommende Kohlenhydrate mit regulatorischer Funktion. Sie beeinflussen das Wachstum und die Differenzierung von Zellen und sind an Abwehrmechanismen gegenüber Pilzen und Bakterien beteiligt. Oligosaccharine sind in der Regel niedermolekulare Abbauprodukte der pflanzlichen Zellwand und außergewöhnlich vielfältig im Hinblick auf ihre Struktur.

Grob geschätzt werden etwa 100 Enzyme für die Olicosaccharin-Bildung benötigt. Dabei treten neben den in der Hemizellulose-Fraktion häufige vorkommenden Zuckern Galactose, Rhamnose, Xylose und Arabinose auch andere Zucker mit sieben oder acht C-Atomen und mit z.T. ungewöhnlichen Substituenten auf (wie beispielsweise zusätzlichen COOH-Gruppen). Zuckerreste in den Poly- bzw. Oligosacchariden der Pflanzenzellwand enthalten keinen Stickstoff, während etwa 50 % aller extrazellulär vorkommenden Zucker bei Tieren Stickstoff enthalten (dabei handelt es sich in der Regel um Amidzucker).

Insgesamt wurden in Oligosaccharinen 65 verschiedene Monosaccharide identifiziert, die auf über 20 verschiedene Art und Weisen miteinander verknüpft sind. Diese Vielfalt an Verbindungen kommt sonst eigentlich nur bei Proteinen und Nucleinsäuren vor. Vielleicht haben die Oligosaccharine also eine ähnlich große Bedeutung für die Pflanzen wie die Peptidhormone im tierischen Organismus.

Die Freisetzung von Oligosaccharinen kann durch Auxine, Pilzinfektionen oder Beschädigungen stimuliert werden. Oligosaccharine induzieren nach einer Pilzinfektion die Bildung eines Antibiotikums, das die Pflanze vor der weiteren Ausbreitung des Pilzes schützt. Oligosaccharine können aber auch benachbarte Zellen zum Absterben bringen. Damit wird den Pilzen (oder anderen Mikroorganismen und Viren) die Voraussetzung zur Ausbreitung im Pflanzengewebe genommen (Hypersensitivität). In Gewebekulturen induziert die Zugabe bestimmter Oligosaccharine die Morphogenese (Spross- und Wurzelgewebe). Ein Nonasaccharid hemmt Auxin-induziertes Streckungswachstum, ihm kommt damit eine Regulatorfunktion der Auxin-Wirkung zu (feedback modulator).

Seite 8 von 8>