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Tiergifte

Tiergifte (Zootoxine)

Tierische Gifte bieten dem jeweiligen Tier, das sie produziert, aufgrund ihrer Warn- und Verteidigungsfunktion einen Selektionsvorteil. Ein Bienenstich dient beispielsweise als Abschreckungsmittel. Schlangengifte sind dagegen Aggressivgifte, die in erster Linie dem Beutefang dienen. Der Selektionswert der Gifte führte im Lauf der Evolution zur Ausbildung vieler Wirkstoffe, die sehr spezifisch und hoch wirksam sind. Viele Gifte enthalten eine Kombination mehrerer Wirkstoffe; eine andere Möglichkeit ist die Protein-Komplementation, bei der toxikologisch unwirksame Proteine Komplexe mit Toxinen bilden und deren Eigenschaften in einer für das Tier vorteilhaften Weise verändern.

Tab.1
Zootoxine
GiftWirkungsmechanismusProduzenten
Herzaktive Toxine Cardiotoxine/Cytotoxine Wirken auf Lipide und Proteine in der Membran von Blut- oder Herzzellen. Kobra, Skorpione
Digoxin-ähnliche Toxine Cardiotonische Steroide, die schwere Herzrhythmusstörungen hervorrufen. Kröten
Hämotoxine Protease-Inhibitoren Blockade der Serin-Proteasen, z.B. Plasmin, Thrombin und Kallikrein; führt zu Gerinnungshemmung oder Hypotonie. Schlangen (Elapide und Vipern), Skorpione, Blutegel (potentestes bekanntes Antithrombin)
Faktor X-Aktivatoren Vorzeitige Aktivierung von Faktor X bei der Blutgerinnung; führt zu Gerinnungshemmung. Vipern und Elapiden
Protein C-Aktivatoren Vorzeitige Aktivierung von Protein C bei der Blutgerinnung; führt zu Gerinnungshemmung. Vipern
Prothrombin-Aktivatoren Vorzeitige Aktivierung von Prothrombin bei der Blutgerinnung; führt zu Gerinnungshemmung. Elapiden
Disintegrine Antikoagulante Wirkung, binden an GPIIb/IIIa-Rezeptor auf Blutplättchen. Vipern, Blutegel
Proteasen Breitgefächerte proteinabbauende Wirkung, Konversion von Fibrinogen zu Fibrin. Grubenottern
PLA2 Hämorrhagische Wirkung. Schlangen
Myotoxine Myotoxine Kleine Proteine, die die Zerstörung von Muskelzellen bewirken. Grubenottern
PLA2 Zerstörung von Muskelzellen. Schlangen
T1 und T2 Rufen Muskelkontraktionen hervor. Chironex fleckeri (Würfelqualle)
Vasoaktive Toxine Sarafotoxine Gefäßverengende Wirkung. Erdvipern
Natriuretische Peptide Bewirken Hypotonie. Platypus, Elapiden und Grubenottern
CrTX -I, -II, -III Induzieren Aggregation von Blutplättchen und bewirken Gefäßverengung; außerdem Störung der Aufnahme/Speicherung von Noradrenalin; postsynaptische kontraktile Systeme bleiben unbeeinflusst, jedoch gleichzeitig Kontraktion der glatten Muskeln durch die Ca2+-unabhängige Freisetzung von Prostaglandinen. Quallen (Carybdea rastoni)
Neurotoxine siehe Kapitel über Neurotoxine
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