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Tutorial MenueBiotoxineLerneinheit 5 von 7

Pflanzentoxine

Gifte der Nachtschattengewächse

Die wichtigsten Gattungen der Nachtschattengewächse sind:

  • Stechapfel (Datura)
  • Nachtschatten (Solanum)
  • Tollkirsche (Atropa)
  • Tollkraut (Scopolia)
  • Engelstrompete (Brugmansia)
  • Alraun (Mandragora)
  • Bilsenkraut (Hyoscamus)

Die wichtigsten Giftstoffe der Nachtschattengewächse sind:

  • Atropin
  • Scopolamin
  • Hyoscyamin

Atropin

Abb.1
Strukturformel von Atropin

Atropin ist in den Blättern und Wurzeln der Tollkirsche (Atropa belladonna) enthalten. Es gehört zu den Anticholinergika, die die Wirkung von Acetylcholin hemmen, indem es die chemischen Rezeptoren für die Nervenimpulse blockiert und eine Depolarisation an postsynaptischen Membranen verhindert. Atropin ist ein Parasympathikus-Antagonisten und wirkt vor allem auf die Verdauung, Speichelsekretion, den Herzschlag und die Pupillenkontraktionen, d.h. die Pupillen werden erweitert (klassischer Belladonna-Effekt), die Akkomodation wird beeinträchtigt. Außerdem beginnt das Herz, schneller zu schlagen und die Speichelsekretion wird gehemmt, Spannungszustände in Magen-Darm und Gallenblasenbereich klingen ab. Das Zentralnervensystem wird erregt. Die psychischen Wirkungen bestehen in einer gesteigerten Erregung und Verwirrung. Bei hohen Überdosen kann Atropin das Atemzentrum lähmen und zum Tod führen.

Hinweis
In der Urologie wird Dranginkontinenz durch die Gabe von Atropin verbessert. Außerdem wird Atropin in der Augenheilkunde zur Erweiterung der Pupillen und im Bereich des Magen-Darm-Trakts bei Krämpfen der glatten Muskulatur eingesetzt. In der Frauenheilkunde wird Atropin zur Behandlung schmerzhafter Regelblutungen verwendet. Atropin ist ein Gegenmittel (Antidot) bei Vergiftung mit Alkylphosphaten (z.B. E 605) sowie bei bei Überdosierung von Parasympathomimetika; es wird außerdem bei der Parkinson-Krankheit als Antagonist gegen das im Überschuss vorhandene Acetylcholin eingesetzt.

Hyoscyamin

Abb.2
Strukturformel von (-)-Hyoscyamin

(-)-Hyoscyamin (Name ist abgeleitet vom Bilsenkraut, Hyoscyamus niger) kommt in den meisten Nachtschattengewächsen in größeren Mengen vor. Es handelt sich um die optisch aktive S-Form des Atropins. Wird Hyoscyamin getrocknet, zerfällt es zu Atropin und ist dann viel weniger wirksam. Hyoscyamin wird als Spasmolytikum, Mydriatikum und Anti-Parkinson-Mittel eingesetzt.

Scopolamin

Abb.3
Strukturformel von Scopolamin

Scopolamin wirkt, wie Atropin, ebenfalls lähmend auf den Parasympathikus, unterscheidet sich in seiner Wirkung jedoch erheblich von Atropin. Es dämpft das Zentralnervensystem und führt zu einem halbwachen Zustand, in dem der Wille stark beeinträchtigt erscheint. Die Denk- und Sprechfähigkeit ist zwar erhalten, der Betroffene wirkt jedoch wie hypnotisiert. Es erzeugt einen Zustand der Willenlosigkeit und Apathie. Scopolamin führt öfter als Atropin zu Krampfzuständen.

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