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Pilzgifte und Mykotoxine

Die Rhabdomyolyse

Der Grünling Tricholoma equestre (Grünling oder Echter Ritterling) galt bis vor wenigen Jahren noch als schmackhafter Speisepilz, aber im Sommer 2001 traten in Frankreich, später auch in Polen, eine Reihe von Tricholoma equestre-Vergiftungen auf. In einigen wenigen Fällen kam es nach dem Verzehr der Pilze mit einer Latenzzeit von 24-72 Stunden zu einem Zerfall von Muskelzellen. Diese als Rhabdomyolyse bezeichnete Erkrankung äußert sich in Muskelschmerzen, Muskelschwäche und Müdigkeit, Nervenschmerzen in den Oberschenkeln und erhöhten Serum-Kreatinkinase-Werten. Im weiteren Verlauf der Erkrankung tritt eine allgemeine Bewegungsschwäche, starkes Schwitzen, leichte Übelkeit, Myokarditis mit Herzrhythmusstörungen und Herzkreislaufkollaps auf, bis es schließlich zum Tod durch Nieren- oder Herzversagen kommen kann. Die Symptome traten in allen Fällen erst nach dem mehrfachen Genuss dieser Pilze auf und konnten auch in Tierversuchen reproduziert werden.

Frankreich und Italien haben als Folge den Verkauf von Grünlingen wie Tricholoma auratum, Tricholoma equestre und Tricholoma flavovirens verboten. In Deutschland wurden im Zusammenhang mit dem Verzehr von Grünlingen bisher nur Magen-Darm-Beschwerden verzeichnet, aber das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät dennoch vom Verzehr dieser Pilze ab. Was genau die Vergiftungssymptome hervorgerufen hat, ist zur Zeit noch nicht ganz klar - Ursache könnte die Ausschüttung bestimmter Enyzme als Reaktion auf Inhaltsstoffe des Pilzes sein. Möglicherweise sind die Art der Aufbewahrung und Zubereitung oder auch eine genetische Disposition für die Ausbildung der Rhabdomyolyse von Bedeutung. Ein Toxin, das diese Symptome reproduzierbar im Tierversuch hervorruft, konnte bisher nicht identifiziert werden.

Link zur BfR-Pressemitteilung

Abb.1
Grünling / Echter Ritterling (Tricholoma equestre)
© by Erhard Ludwig, Fungicon-Verlag Berlin
Seite 13 von 19