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Pilzgifte und Mykotoxine

Das Psilocybin-Syndrom

Unter diesem Namen werden Pilzvergiftungen zusammengefasst, die durch den absichtlichen Verzehr halluzinogenen Pilze hervorgerufen worden sind. Der Rausch ist ähnlich wie bei einer LSD-Einnahme und beginnt mit einer Latenzzeit von 0,5-2 Stunden nach dem Pilzgenuss. Typische körperliche Symptome sind Benommenheit, Kopfschmerz, Muskelschwäche, Gleichgewichtsstörungen und ein taubes Gefühl. Psychisch treten, je nach Stimmungslage, extreme positiv oder negativ empfundene Gefühle auf, gefolgt von Halluzinationen, Delirium und Bewusstlosigkeit. Nach 6-10 Stunden ist die Wirkung vorbei.

Hinweis
In Mexiko wurden Rauschpilze schon seit Jahrhunderten eingesetzt und stehen im Zusammenhang mit blutigen Opferfesten, bei denen auch Menschen getötet wurden oder sich selbst umbrachten. In den USA und in Europa sind diese Pilze beliebte Party-Drogen (magic mushrooms, narrische Schwammerl oder auch Zauberpilze genannt). Zauberpilze sind in Deutschland als nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel eingestuft, sie dürfen weder gehandelt, vertrieben noch verschrieben werden.

Das Gift

Die Hauptwirksubstanz ist neben Baeocytin und Norbaeocystin das Psilocybin aus Pilzen wie z.B. Psilocybe baeocystis oder Psilocybe semilanceata (Spitzkegeliger Kahlkopf). Psilocybin ist mit chemisch dem Neurotransmitter Serotonin und mit LSD (Lysergsäurediethylamid) verwandt. Bereits 4 mg Psilocybin oral führen beim Menschen zu Rauschzuständen, 6-20 mg bereits zu massiven psychischen Veränderungen. Die Folge ist eine veränderte Wahrnehmung der Umwelt und der eigenen Person, die in Abhängigkeit von der Stimmung empfunden wird und zu euphorischen Glücksgefühlen (good trip) oder auch Angst, Gewalttätigkeit und Panikanfällen mit akuter Suizidgefährdung führen kann (bad trip). Etwa die Hälfte der Psilocybe-Arten wirken halluzinogen. Psilocybin kommt aber auch in Panaeolus-Arten (Düngerlinge), Pholiotina-Arten (Glockenschüpplinge) u.a. vor.

Abb.1
Psilocybin-Derivate und Serotonin
Abb.2
Spitzkegeliger Kahlkopf (Psilocybe semilanceata)
© by Erhard Ludwig, Fungicon-Verlag Berlin
Seite 8 von 19