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Tutorial MenueBiotoxineLerneinheit 4 von 7

Pilzgifte und Mykotoxine

Das Muscarin-Syndrom

Trotz der Namensähnlichkeit hat das Muscarin-Syndrom nichts mit Vergiftungen durch den Fliegenpilz Amanita muscaria zu tun (obwohl dieser auch Muscarin enthält), sondern wird von Risspilzen (Gattung Inocybe) und Trichterlingen (Gattung Clitocybe) verursacht. Nach kurzer Inkubationszeit (15-30 min) kommt es zu Schweißausbrüchen, kombiniert mit starkem Speichel- und Tränenfluss. Aus diesem Grund wird das Muscarin-Syndrom auch PSL-Syndrom genannt, für engl. perspiration, salivation, lacrimation. In der Folge treten Erbrechen, Durchfall, Koliken, Sehstörungen, Pulsverlangsamung und Bronchialasthma auf.

Das Gift

Muscarin ist ein quarternäres Ammoniumchlorid, das in verschiedenen Diasteromeren vorkommt. Das für die Vergiftung verantwortliche Muscarin ist das L-(+)-Muscarin, (2S,3R,5S)-5-((trimethylammonium)methyl)-tetrahydro-2-methylfuran-3-ol, andere Stereoisomere sind kaum giftig. Muscarin ist hitzestabil und hat strukturelle Ähnlichkeit mit Acetylcholin. Es lagert sich an Acetylcholin-Rezeptoren an, wird aber von der Acetylcholin-Esterase nicht gespalten und führt zu permanenter Muskelkontraktion. Therapiert wird mit Aktivkohle und mit Atropin. Dieses lagert sich auch an den Acetylcholin-Rezeptor an und kann Muscarin verdrängen, löst aber keine Erregung aus. Die für den Menschen tödliche Dosis liegt bei ca. 180 mg.

Abb.1
Strukturformel von Muscarin
Abb.2
Ziegelroter Risspilz (Inocybe erubescens)
© by Erhard Ludwig, Fungicon-Verlag Berlin
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