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Tutorial MenueBiotoxineLerneinheit 4 von 7

Pilzgifte und Mykotoxine

Gastrointestinales Syndrom

Das gastrointestinale Syndrom umfasst Erkrankungen nach dem Genuss von zubereiteten, unverdorbenen Pilzen, für die zahlreiche Inhaltstoffe verantwortlich sind; es gibt also kein einheitliches toxisches Prinzip. Die meisten Pilzvergiftungen fallen in diese Gruppe. Etwa 15 Minuten bis 4 Stunden nach dem Verzehr kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Koliken, Muskelkrämpfen, Schweißausbrüchen, Angst- und Schockzuständen, die nach ca. zwei Tagen ohne Nebenwirkungen abklingen.

Hinweis
Das gastrointestinale Syndrom darf nicht mit Symptomen verwechselt werden, die nach dem Genuss roher Pilze auftreten. Nahezu alle Pilze sind, wenn sie in größeren Mengen gegessen werden, eine Belastung für das Verdauungssystem, und können bei Menschen mit empfindlichem Magen durchaus ähnliche Symptome wie eine Vergiftung hervorrufen.

Die giftigen Wirkstoffe, die das gastrointestinale Syndrom verursachen, sind so vielfältig wie die Pilzarten selbst, und in vielen Fällen ist der Auslöser für die Erkrankung gar nicht bekannt. Verdächtige Inhaltsstoffe sind auf jeden Fall Verbindungen mit N-N-Verknüpfung wie Lycophyllin (z.B. aus Lycophyllum connatum), Agaritin und Nitroamine der Agaricus-Arten, Alkaloide aus Cortinarius infractus, Anthrachinone wie Dermocybin und Dermorubin (wirken abführend, aber auch mutagen), Blausäure oder Phenole wie Grifolin oder Scutigeral aus verschiedenen Albatrellus-Arten. Auch von Pilzen produzierte Antibiotika, die die Magen-Darm-Flora schädigen, verursachen möglicherweise ein gastrointestinales Syndrom.

Abb.1
Strukturformeln von Grifolin und Scutigeral
Abb.2
Strukturformel von Agaritin
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