zum Directory-modus

Tutorial MenueChemie für MedizinerLerneinheit 19 von 19

Chemie für Mediziner: Vitamine und Coenzyme

Vitamin B12: Resorption von Cobalamin

Vitamin B12 (Cobalamin) kann ausschließlich von Mikroorganismen synthetisiert werden. Die wichtigste Quelle für dieses Vitamin sind tierische Lebensmittel, insbesondere Fleisch und Leber. In der Nahrung ist Cobalamin an Proteine gebunden, erst durch die proteolytischen Prozesse im Magen und Zwölffingerdarm wird es freigesetzt. In der freien Form kann es jedoch nicht resorbiert werden. Die Belegzellen der Magenschleimhaut produzieren ein spezielles Glycoprotein, den Intrinsic Factor, der mit Cobalamin einen Komplex eingeht. Dieser Komplex ist gegen die Verdauungsenzyme Pepsin und Trypsin beständig und wird im terminalen Ileum resorbiert. Im Blut wird Cobalamin an Transcobalamin I und II gebunden und zur Leber und zu schnell proliferierenden Geweben (insbesondere dem Knochenmark) transportiert. Das von Darmbakterien im Colon produzierte Cobalamin kann daher nicht resorbiert werden.

Der Tagesbedarf beträgt ca. 5 μg, die Leber speichert bis zu 2 mg, weitere 2 mg können in anderen Geweben gespeichert werden. Ein Vitamin B12-Mangel führt daher erst nach ein bis zwei Jahren zu klinischen Symptomen.

Ursachen für Cobalamin-Mangel:

  • Eine ungenügende Vitamin B12-Zufuhr mit der Nahrung ist sehr selten. Ein gewisses Risiko einer Unterversorgung tragen vor allem Veganer und strenge Vegetarier, die auch auf Eier, Milch und Milchprodukte verzichten.
  • Mangel an Intrinsic Factor (jährlich ca. 9 Fälle pro 100.000 Einwohner). Häufigste Ursache ist eine Autoimmungastritis Typ A, bei der Antikörper gegen die Belegzellen der Magenschleimhaut gebildet werden. Eine weitere Ursache ist die teilweise Entfernung des Magens (Resektion) bzw. eine vollständige Magenentfernung (Gastrektomie).
  • Vermehrter Cobalamin-Verbrauch durch den Fischbandwurm.
  • Erkrankungen die zu einem Malabsorptionssyndrom (Verdauungsinsuffizienz) führen:
    • exokrine Pankreasinsuffizienz (z.B. bei chronischer Pankreatitis),
    • bakterielle Fehlbesiedelung des Dünndarms,
    • Ileumresektion,
    • chronische Darminfektionen und Parasitosen.

Folge: perniziöse Anämie

Schilling-Test

Der Nachweis einer Vitamin B12-Resorptionsstörung erfolgt durch den Schilling-Test (Urinexkretionstest):

Der Patient erhält oral je ca. 1 μg Co58-Cobalamin ohne Intrinsic Factor und Co57-Cobalamin mit Intrinsic Factor. (Co57 und Co58 sind schwach radioaktive Isotope.) Nach etwa 2 Stunden werden 1.000 μg unmarkiertes Cobalamin intramuskulär als "Ausschwemmdosis" gegeben und anschließend im 24-Stunden-Harn die Aktivität beider Isotope gemessen. Beim gesunden Menschen werden beide markierten Isotope in gleichem Maße mit dem Harn ausgeschieden (10-25 %). Liegt ein Mangel an Intrinsic Factor vor, ist die Co58-Ausscheidung stark reduziert (unter 5 %). Bei Resorptionsstörungen im Ileum ist die Aktivität beider Testsubstanzen vermindert.

Seite 33 von 39