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Tutorial MenueChemie für MedizinerLerneinheit 3 von 19

Elemente des Periodensystems für Mediziner

Exkurs: Iodmangel

Mitteleuropa ist noch immer in weiten Teilen ein Iodmangel-Gebiet. Man schätzt, dass die Hälfte der Bundesbürger unter Iodmangel leiden. Etwa 1% der Neugeborenen kommen bereits mit einem Kropf zur Welt.

Durch die Iodid-Unterversorgung kann die Schilddrüse nicht in ausreichendem Umfang Iodthyronine (TriIodthyronin, T3 und TetraIodthyronin, Thyroxin, T4) produzieren, es liegt eine Hypothyreose vor. Das übergeordnete hormonelle Regelsystem der Hypophyse stimuliert daraufhin die Schilddrüse, das wenige verfügbare Iodid zu verwerten. Die Schilddrüse wird dadurch zum Wachstum angeregt, sie vergrößert sich. Zunächst bilden sich tastbare Knoten, bei anhaltendem Iodmangel entwickelt sich meist eine Struma (Kropf). Die Hypothyreose ist von neurologischen Symptomen wie Kälteempfindlichkeit und geistiger Stumpfheit begleitet. Daneben treten Myxödeme (teigige Infiltration der Haut, Unterhaut und Muskelgewebe) durch Ablagerung von Mukopolysacchariden (Glycosaminglycanen) auf.

Abb.1
sehr große Struma, beobachtet 1935 im Kanton Bern
Abt. für Unterrichtsmedien, Medizinische Fakultät der Uni. Bern

Eine größere Struma stellt nicht nur eine kosmetische Beeinträchtigung dar. Sie kann beispielsweise die Luftröhre erheblich verlagern. Auch die Funktionen anderer Halsorgane und -gefäße können gestört sein.

Tritt der Iodmangel bereits im Kleinkindalter auf, können Wachstum sowie körperliche und geistige Entwicklung zurückbleiben. Es kommt zum Kretinismus.

Die von der DGE1) empfohlene Tageszufuhr, die für Jugendliche und Erwachsene bei ca. 200µg Iod liegt, wird durch die Nahrung oft nicht gedeckt. Daher sollte auch Iodiertes Speisesalz (Kochsalz, dem etwas Iodid zugesetzt wurde) verwendet werden. Da bei normalen Salzverbrauch damit allein der Iodbedarf nicht gedeckt werden kann - ein zu hoher Salzverbrauch ist gesundheitsschädlich - muss eine weitere Iodquelle erschlossen werden: Seefische (z.B. Schellfisch, Seelachs, Scholle) weisen einen besonders hohen Iodgehalt auf. Ein- bis zweimal wöchentlich Seefisch und die Verwendung von Iodiertem Speisesalz führt dem Organismus in der Regel ausreichend Iodid zu, um eine Struma-Bildung zu verhindern.

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