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Historisches und chemische Eigenschaften von Vitamin C

Die Entdeckung des Vitamin C

Lange Zeit galt Skorbut (auch Scharbock genannt) als unheilbar - eine Krankheit, deren Ursachen man nicht kannte und die sich anscheinend wie eine Seuche ausbreitete. Seit der Zeit der Entdeckungsreisen, als große Teile der Schiffsbesatzungen dem Skorbut zum Opfer fielen, waren die Symptome allgemein bekannt. Aber nicht nur bei langen Seereisen, auch auf Feldzügen, in Gefängnissen und Armenhäusern war die Krankheit gefürchtet.

Als Ursache für Skorbut wurden die verschiedensten Faktoren (wie schlechte Hygiene, Bodenverhältnisse, geographische Lage, Klima und soziales Elend) diskutiert.

Erst durch zufällige Beobachtungen wurde man auf den Zusammenhang zwischen der Ernährungsweise und dem Auftreten bzw. Verhindern von Skorbut aufmerksam. Vor allem Zitrusfrüchte und Sauerkraut, aber auch eine Reihe von Pflanzen wie z. B. Löffelkraut (Cochleria), Scharbockskraut (früher Feigwarzenkraut-Vicaria verna) oder frische Kartoffeln schienen besonders geeignet, dem Skorbut vorzubeugen oder sogar ihn zu heilen.

Die Suche nach dem sogenannten "antiskorbutischen Faktor" in der Nahrung beschäftigte Anfang des 20. Jahrhunderts Forscher in aller Welt.

Da die meisten Tiere Vitamin C selbst synthetisieren, stand lange kein geeignetes Versuchstier für systematische Untersuchungen von Stoffen auf ihre antiskorbutische Wirkung zur Verfügung, bis 1907 auch bei Meerschweinchen "Skorbut - Symptome" entdeckt wurden.

Die Gewinnung antiskorbutisch wirksamer Extrakte gestaltete sich jedoch als schwierig. Bis zur Identifizierung des "antiskorbutischen Faktors", für den 1920 der Name Vitamin C vorgeschlagen wurde, vergingen noch 25 Jahre. 1928 isolierte A. Szent-Györgyi aus der Nebennierenrinde von Rindern eine Substanz mit reduzierenden Eigenschaften, die er zunächst Hexuronsäure nannte. Erst 1933 gelang ihm der Beweis, dass dieser Stoff, den er jetzt Ascorbinsäure (von "ascorby", engl.: gegen Skorbut) nannte, identisch ist mit dem Vitamin C.

Abb.1
T. Reichstein (1897-1996)
aus Lexikon der Naturwissenschaftler, 2000 © Elsevier GmbH, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg
Abb.2
W.N.Harworth (1883-1950)
aus Lexikon der Naturwissenschaftler, 2000 © Elsevier GmbH, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg
Abb.3
A. Szent-Györgyi (1893-1986)
aus Lexikon der Naturwissenschaftler, 2000 © Elsevier GmbH, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg

Noch im selben Jahr gelang die Strukturaufklärung und unabhängig voneinander entwickelten T. Reichstein und W.N. Harworth einen Syntheseweg für das Vitamin C.

Die ersten Vitamin C-Tabletten wurden hergestellt und gelangten in den Handel. Mit der Aufklärung des Zusammenhanges zwischen Ernährung und Vitamin C-Versorgung und mit dem Vorhandensein von Präparaten zur Mangelbekämpfung trat Skorbut nur noch selten auf. In den Vordergrund der weiter andauernden Vitamin C-Forschungen rückte nun die Frage nach der Wirkungsweise der Substanz im Organismus.

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