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Gefahrenpotenzial von Rüstungsaltlasten

Chemische Kampfstoffe

Schon im ersten Weltkrieg wurden chemische Kampfstoffe in erheblichen Mengen eingesetzt ("Gaskrieg"), nicht nur als Einzelkampfstoffe sondern auch als taktische Gemische (mehr als 55.000 Tonnen). Neben vereinzelten Funden von Kampfstoffmunition aus dieser Zeit stellen heute vor allem aber verschüttete Bunkeranlagen, Schächte und Munition aus dem zweiten Weltkrieg sowie mit Kampfstoffen (oder mit deren Vor- und Zersetzungsprodukten) belastete Gewässer und Böden ein Gefahrenpotenzial dar. Gefahren gehen auch von der möglichen Korrosion vergrabener oder im Rahmen der Vernichtungsaktion im Meer versenkter Kampfstoffmunition aus.

Definition
Chemische Kampfstoffe sind toxische Chemikalien, die den Tod oder eine (zeitweilige oder permanente) Schädigung von Mensch und Tier hervorrufen.

Außer ihrem toxischen Potential gibt es keine Gemeinsamkeiten der Schadstoffe. Physikalisch-chemische Eigenschaften wie Schmelz- und Siedepunkt, Löslichkeit und Brennbarkeit lassen Rückschlüsse auf die jeweilige Gefährdung bei Erkundungen oder Untersuchungen zu. Das chemische Verhalten bestimmt den Zustand der Schadstoffe in Rüstungsaltlasten (wie in Munition, Behältern oder Gewässern). Die Beurteilung der Toxizität auf den Menschen beruht teilweise auf Erkenntnissen aus den Weltkriegen, meist aber auf tierexperimentellen Untersuchungen. Die Wirkung chemischer Kampfstoffe kann dabei ganz unterschiedlich sein: Einige Kampfstoffe wirken nur lokal auf der Haut oder der Schleimhaut, andere entfalten systemische Wirkungen, die die inneren Organe und das Nervensystem betreffen. Unterschiedlich stark sind auch chronische, karzinogene oder mutagene Wirkungen.

Einteilung der chemischen Kampfstoffe

Meist werden die chemischen Kampfstoffe nach ihrer physiologischen Wirkung klassifiziert.

  • Augenreizstoffe (z. B. Bromaceton)
  • Nasen- und Rachenreizstoffe (z. B. Clark I)
  • Lungenreizstoffe (z. B. Chlor)
  • Hautschädigende Kampfstoffe (z. B. Schwefel-Lost)
  • Nervenkampfstoffe (z. B. Tabun)
  • Blutgifte (z. B. Blausäure)

Die nach 1945 entwickelten Psychogifte, Toxinkampfstoffe und militärisch genutzte Phytogifte (Totalherbizide) sind ebenfalls zu den chemischen Kampfstoffen zu zählen.

Die meisten Kampfstoffe können jedoch in Abhängigkeit von der Dosis, von der Art der Aufnahme (oral, dermal, inhalativ) und von der Einwirkzeit verschiedene toxische Effekte entfalten. Daher sollte bei Erkundung von Rüstungsaltlasten immer von den höchsten Sicherheitsanforderungen ausgegangen werden, auch wenn z.B. "nur" Augenreizstoffe vermutet werden.

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