| * Darmstadt, 7. September 1829 |
† Bonn, 13. Juli 1896 | August Kekulé von Stradonitz (Friedrich August Kekulé) wurde am 7. September 1829 als Sohn eines Oberkriegsrates
in Darmstadt geboren und studierte ab 1847 in Gießen Architektur, bis Justus von Liebig während eines Gerichtsprozesses auf ihn aufmerksam
wurde. Eine Leiche war halbverbrannt aufgefunden worden, und man wollte den Fall als "Selbstverbrennung" beilegen.
Kekulé war als Zeuge geladen, und seine Aussagen waren so präzise, dass sie nicht nur die Schöffen von Liebigs
Gutachten über die Unmöglichkeit der Selbstverbrennung überzeugten, sondern auch Liebig von der Begabung Kekulés für
Chemie. Es begann dann sein Chemiestudium an dem weltberühmten chemisch-pharmazeutischen Institut in Gießen bei
Liebig und Hermann Kopp. 1851/52 führte ihn eine Studienreise nach Paris, wo er mit den Lehren von
C. Gerhardts und J.-B.A. Duma in Berührung kam. | 1852 promovierte Kekulé in Gießen. 1854 wurde er Assistent von Stenhouse in London und
habilitierte sich 1856 in Heidelberg bei R. Bunsen. In London kam Kekulé mit Wissenschaftlern zusammen, die
neue Ideen vertraten. Besonders zu nennen ist A.W. Williamson, der sich mit Konstitutionsfragen
beschäftigte. In seiner Arbeit über die Konstitution des Knallquecksilbers sprach Kekulé zum ersten Mal klar von der
Vierwertigkeit ("Atomigkeit") des Kohlenstoffs. 1857 wurde er ordentlicher Professor an der Universität Gent und
richtete dort ein Praktikum nach dem Gießener Vorbild ein. In den nächsten Jahren verfeinerte er die Theorie von der
Vierwertigkeit des Kohlenstoffs und ergänzte sie durch die Lehre von der direkten Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindung.
Er erkannte auch, dass sich Kohlenstoff-Atome kettenförmig miteinander verbinden können. Die Vielzahl organischer
Verbindungen wurde so erklärlich. Kekulé schrieb seine Formeln noch nicht mit den heute gebräuchlichen
Valenzstrichen. Diese stammen von dem schottischen Chemiker A.S. Couper (geboren in Townhead
Kirkintilloch bei Glasgow am 31.3.1831, gestorben ebenda am 11.3.1892), der sich wie Kekulé mit dem Problem der
Vierbindigkeit des Kohlenstoff-Atoms beschäftigte. Darauf aufbauend entwickelte Erlenmeyer 1862 die
Theorie der Mehrfachbindungen, die den Weg für Kekulés Benzol-Theorie ebnete. Damit erklärte er die bis dahin
rätselhafte Struktur des Benzols. Sein Beitrag "Sur la Constitution des Substances Aromatique" wurde 1865 erstmalig
von der Französischen Akademie der Wissenschaften verlesen und 1866 ausführlich in Liebigs Annalen publiziert. 1867
wurde Kekulé Hochschullehrer in Bonn, wo er bis zu seinem Tode wirkte. Im gleichen Jahr entwickelte er erste
Vorstellungen zur räumlichen Anordnung der Atome, die sein Schüler van't Hoff (und unabhängig davon Le Bel) dann bis 1874 zum Tetraedermodell entwickelte. | Die Benzol-Theorie von Kekulé stieß einerseits in der chemischen Industrie auf großes Interesse, löste sie doch
einige praktische Probleme und ermöglichte die systematische Synthese von Farbstoffen und Heilmitteln. Andererseits
riefen die drei postulierten Doppelbindungen, die durch einschlägige Reaktionen nicht nachweisbar waren, lebhaften
Widerspruch hervor. Auch hier fand Kekulé eine Lösung: Seine 1872 veröffentlichte Oszillationshypothese (heute
Resonanz) postulierte die Annahme des dauernden Platzwechsels der Einfach- und Mehrfachbindungen im Benzol. Diese
Theorie ist heute durch die 6-π-Elektronen-Theorie präzisiert worden. | Kekulé befasste sich auch intensiv mit der Geschichte der Wissenschaft. Seine Bibliothek umfasste 7.000 Bände.
Sie bildete den Grundstock der Kekulé-Bibliothek in Leverkusen, die heute über 630.000 Bände zählt. | Friedrich August Kekulé starb am 13. Juli 1896 in Bonn. |
|