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Friedrich WöhlerZoomA-Z

Biographie

Geboren
31. Juli 1800 in Eschersheim (Frankfurt am Main)
Gestorben
23. September 1882 in Göttingen

Wöhler beschäftigt sich neben seinem Medizinstudium mit der Chemie. Er ist Sieger der Preisaufgabe: "Welche Stoffe, die von Tier oder Mensch durch die Nahrung aufgenommen werden, finden sich im Harn wieder, und was kann man daraus schließen?". Wöhler weist z.B. nach, dass viele organische Säuren als Natriumsalze durch den Harn (meist unverändert) ausgeschieden werden und dass Benzoesäure im Blut in Hippursäure umgewandelt wird.

Auf Anraten von Gmelin geht Wöhler für ein Jahr zu Berzelius nach Stockholm und ist anschließend als Gewerbeschullehrer in Berlin tätig. In der Zeit entdeckt er das Metall Aluminium.

Die Entdeckung seines Lebens macht Wöhler 1827. Am 22.1.1828 schreibt er an seinen Gönner Berzelius: "Ich kann sozusagen mein chemisches Wasser nicht mehr halten und muss Ihnen sagen, dass ich Harnstoff machen kann, ohne dazu Nieren oder überhaupt ein Tier, sei es Mensch oder Hund, nötig zu haben.". Wöhler hatte sich bevorzugt mit den Cyanen beschäftigt. Bei der Umsetzung des Kaliumcyanats mit Ammoniumsulfat war ihm ein weißes Pulver aufgefallen, das zu seinem großen Erstaunen identisch war mit dem so genannten "Pisseharnstoff". Bis dahin galt als unumstößliche Wahrheit, dass für alle Materie aus der die Lebewesen aufgebaut sind, eine nicht fassbare Größe verantwortlich ist, die "Lebenskraft" (vis vitalis). Wöhler war es also gelungen einen "von der Natur, d.h. von Gott geschaffenen Stoff künstlich zu synthetisieren".

1828 wird Wöhler durch königlichen Erlass zum Professor ernannt. 1831 folgt er einem Ruf nach Kassel, um dort die chemische Professur an der örtlichen Gewerbeschule zu übernehmen. In diese Kasseler Zeit fallen auch die Entdeckung von Yttrium und Beryllium sowie die Isolierung von Iridium und Osmium. Die beiden letzteren kann er aus Platin-Rückständen isolieren, ein Material, das er anläßlich eines Besuches in Paris von dem französischen Chemiker Dumas erhalten hatte.

1836 erhält er seine Berufung an das Ordinariat für Chemie und Pharmazie der Universität Göttingen. Die Chemie hatte zu der Zeit nur an wenigen Universitäten ein eigenes Ordinariat, sie wurde immer noch als Hilfswissenschaft der Heilkunde eingestuft. Neben seiner Vortragstätigkeit kam aber auch seine Forschungsarbeit nicht zu kurz. Von ihm stammt das geflügelte Wort "Probieren geht über studieren". In seinen wichtigsten Untersuchungen beschäftigte er sich mit Harnsäure (aus Schlangenkot), Cocain (aus Coca-Blättern), Opiumbasen (aus Schlafmohn), Xanthin (aus Blasensteinen) und Hydrochinon (aus Chinarinde). 1862 gelang Wöhler eine weitere sensationelle Ersttat, die Herstellung von Calciumcarbid aus Calcium und Kohle sowie die Hydrolyse zu Acetylen.

In weit über 250 Büchern und Aufsätzen hat Wöhler seine Arbeiten publiziert. Seine Beliebtheit und das hohe Ansehen führten dazu, dass er im Alter mit Ehrungen aller Art geradezu überschüttet wurde. Er war schließlich vielfacher Ehrendoktor und Ehrenbürger und Napoleon III. ernannte ihn zum Ritter der Ehrenlegion. Vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erhielt er 1864 den Orden "Pour le merite". Wöhler starb im Alter von 82 Jahren an den Folgen eines Ruhranfalls.

Chronologie

1800Geboren am 31. Juli in Eschersheim (Frankfurt am Main)
1820 - 1823Medizinstudium
1823Doktortitel für Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe
1825 - 1831Gewerbeschullehrer in Berlin
1828Ernennung zum Professor durch königlichen Erlass
1831 - 1836chemische Professur an der Gewerbeschule in Kassel
1836 - 1882Berufung an das Ordinariat für Chemie und Pharmazie der Universität Göttingen
1882Gestorben am 23. September in Göttingen