zum Directory-modus

MethämoglobinZoomA-Z

Fachgebiet - Biochemie

Methämoglobin (MetHb) oder auch Ferrohämoglobin ist ein Derivat des normalen Hämoglobins der Erythrocyten im Blut. Es entsteht, wenn das zweiwertige Eisen Fe2+ im aktiven Zentrum des Hämoglobins zu dreiwertigem Eisen Fe3+ oxidiert. Dieses Derivat, das sich auch optisch anhand einer intensiven Braunfärbung des normalerweise roten Blutes nachweisen lässt, kann zwar nach wie vor Sauerstoff in der Lunge aufnehmen, diesen aber nicht mehr im Gewebe abgeben. Ab einem MetHb-Anteil von ca. 15 % verfärben sich beim Menschen Lippen und Haut bläulich (Blausucht, auch Cyanose genannt), bei 30-40 % MetHb sind Verwirrtheit, Schwindel oder auch Bewusstseinsstörungen zu beobachten, und Werte zwischen 60 und 80 % sind in der Regel tödlich.

Methämoglobin-Vergiftungen treten auf, wenn Oxidationsmittel wie z.B. Wasserstoff-Peroxide, Chlorate aus Reinigungs- oder Bleichmitteln, Nitrite oder bestimmte Aminoverbindungen in den Organismus gelangen. Auch Stickstoffmonoxid (NO) und bestimmte Arzneimittel wie Lidocain, Paracetamol oder Sulfonamid-Antibiotika fördern die Bildung von Methämoglobin. Der Gehalt an MetHb liegt bei Erwachsenen normalerweise unter 1 %, da das Enzym NADH-Methämoglobin-Reduktase Methämoglobin wieder reduzieren kann.

Anders sieht es allerdings aus bei erblichen Defekten der NADH-Methämoglobin-Reduktase oder bei Säuglingen, deren Methämoglobin-Reduktaseaktivität noch nicht voll ausgeprägt ist. Die Konzentration an Nitrat im Trinkwasser, das für die Herstellung von Säuglingsnahrung verwendet sind, sollte daher vor allem in Gegenden mit intensiver Landwirtschaft (Eintrag von Düngemittel-Rückständen in das Trinkwasser) und einer Wasserversorgung über hauseigene Brunnen genau überprüft werden. Nitrat wird im Magen in Nitrit umgewandelt und kann bei Säuglingen Cyanosen verursachen. Der zulässige Grenzwert von Nitrat in Leitungswasser liegt gemäß der Trinkwasserverordnung (vom 21.5.2001; geändert am 31.10.2006) bei 50mg pro Liter.