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Fachgebiet - Mikrobiologie, Immunologie

H5N1 ist eine sehr aggressive Variante der Vogelgrippe (auch aviäre Influenza oder Geflügelpest genannt), die bei den betroffenen Tieren, zu denen vor allem Hühner, Puten und Wasservögel gehören, in 24-48 Stunden zum Tod führt. Das Reservoir für Influenza A/H5N1 bilden Wildvögel, die oft nicht oder nur leicht erkranken, so dass die weiträumige Verbreitung der Vogelgrippe vermutlich vor allem durch den Vogelzug im Herbst und Frühjahr erfolgt. Eine Impfung von gefährdeten Zootieren oder Geflügelbeständen gegen H5N1 ist zwar möglich, wird aber in der Regel nicht durchgeführt. Die Imfpung ist teuer und erfolgt mit abgetöteten H5N1-Viren, so dass es später u.U. nicht mehr möglich ist, eine aufgrund der Impfung erfolgte Antikörper-Bildung von einer bestehenden H5N1-Infektion zu unterscheiden - eine riesige Gefahr für den gesamten Bestand! Eine Infektion mit H5N1 wurde in Deutschland erstmalig Anfang Februar 2006 bei zwei auf Rügen verendeten Höckerschwänen nachgewiesen.

H5N1 kann nur bestimmte Tiere infizieren. Ob ein Virus für einen möglichen Wirt gefährlich werden kann oder nicht, hängt vor allem von den viralen Oberflächenantigenen Hämagglutinin (abgekürzt mit HA) und Neuraminidase (abgekürzt mit NA) ab. Diese beiden Glycoproteine bilden auch die Grundlage für die Nomenklatur der Influenza-Viren. Jedes neue Hämagglutinin (H)- oder Neuraminidase (N)-Molekül bekommt eine fortlaufende Nummer, also beispielsweise eben H5N1.

Weitere Informationen zur Virus-Nomenklatur.

Das Vogelgrippe-Virus zeichnet sich nicht nur durch seine hohe Pathogenität, sondern auch durch seine hohe Mutationsrate aus. Einige dieser Mutationen betreffen auch den Wirtsbereich: als H5N1 1959 erstmalig in Schottland bei Vögeln entdeckt wurde, konnte es sonst nur noch bei Schweinen nachgewiesen werden. 1997 gab es den ersten Todesfall bei einem mit H5N1 infizierten Menschen, seit 2001 sind auch Infektionen bei Mäusen, seit 2004 bei Katzen und seit März 2006 bei Steinmardern und seit April 2006 bei Störchen nachgewiesen. Warum das Virus auch Katzen befallen kann, die lange Zeit als resistent galten, weiß noch niemand. Anders als bei anderen Säugetieren befällt H5N1 hier nicht nur die Atemwege und die Lunge, sondern schädigt u.a. auch das Gehirn, das Herz, die Nieren und den Darm. Über den Kot und den Urin können Katzen das Virus ausscheiden und so möglicherweise auch Menschen infizieren, die in enger häuslicher Gemeinschaft mit ihren Haustieren leben. Hunde können sich vermutlich mit H5N1 anstecken (und entwickeln dann Antikörper, die sich im Blut nachweisen lassen), erkranken aber zumindest nach heutigem Wissensstand nicht.

Von den bisher ca. 160 mit H5N1 infizierten Menschen sind etwa 100 gestorben (Quelle: WHO, confirmed human cases 3/2006). Eine Übertragung von Mensch zu Mensch galt lange als unwahrscheinlich, bis im Juni 2006 eine Indonesierin nachweislich etliche Familienmitglieder infizierte. H5N1-Viren vermehren sich beim Menschen nicht oder nur sehr schlecht in den oberen Atemwegen, von wo aus sie z.B. durch Husten oder die Atemluft auf andere Menschen übertragen werden könnten. Im Gegensatz dazu vermehren sich humane Grippeviren besonders gut in den oberen Atemwegen. Wissenschaftler sehen eine besondere Gefahr für den Menschen darin, dass bei einer möglichen Doppelinfektion von H5N1 und einem humanen Influenza-Virus eine Vermischung des Genoms stattfinden und damit eine Virus-Variante entstehen könnte, die leicht von Mensch zu Mensch übertragen wird (wie Influenza) und so schnell wie H5N1 zu Tode führen könnte. Aber der Wirtsbreich von H5N1 könnte auch durch Mutationen auf den Menschen ausgedehnt werden, wie es vermutlich 1918-20 beim Influenza-Erreger A/H1N1 der Fall war, der zu einer weltweiten Grippe-Pandemie mit 20-40 Millionen Toten führte (spanische Grippe).

Weitere Informationen zu Influenza-Pandemien.

Siehe auch: Hämagglutinin , Neuraminidase