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Friedrich Konrad BeilsteinZoomA-Z

Biographie

Geboren
17. Februar 1838 in St. Petersburg
Gestorben
18. Oktober 1906 in St. Petersburg

Die überragende Bedeutung F.K. Beilsteins liegt natürlich in der Konzeption und Produktion seines Handbuchs, er hat sich davor aber auch mit experimentellen Arbeiten, vor allem auf dem Gebiet der Benzolchemie, einen Namen gemacht.

Von ihm stammt u.a. die Erkenntnis, dass die Halogenierung von Alkyl-Aromaten je nach Bedingungen entweder am Benzolkern ("Kälte, Katalysator, Kern") oder in der Seitenkette ("Sonne, Siedehitze, Seitenkette") stattfindet; dies gehört noch heute zum Lernstoff jedes Anfängers in der organischen Chemie.

In späteren Jahren war Beilstein so mit der Herausgabe des Handbuchs beschäftigt, dass er seine wissenschaftlichen Arbeiten dann fast völlig einstellte; während er vorher fast jedes Jahr zwischen einer und sechs Arbeiten publizierte, weist sein Publikationsverzeichnis nach 1889 keinerlei Veröffentlichungen mehr auf.

In seiner Professorenstelle in St. Petersburg hatte Beilstein zwar Lehrverpflichtungen, es wurde von ihm aber nicht unbedingt intensive Forschung verlangt, wie das bei einer Professur an einer deutschen Hochschule auch schon damals der Fall gewesen wäre; es ist durch Briefe Beilsteins belegt, dass wir die Schaffung des Beilstein-Handbuchs dieser besonderen Situation von F.K. Beilstein und seiner Hingabe an die Literaturarbeit verdanken.

Eine Übersicht über die experimentellen Arbeiten von F.K. Beilstein mit Publikationsverzeichnis findet sich in seinem Nachruf Hjelt, E. (1908): Friederich Konrad Beilstein. Ber.Dtsch.Chem.Ges.40 , 5041-5078 und in einer späteren Würdigung zu Beilsteins hundertstem Geburtstag Richter, F. (1938): K.F. Beilstein, sein Werk und seine Zeit. Ber. Dtsch. Chem. Ges.71 A , 35-55

Chronologie

1838Geboren am 17. Februar in St. Petersburg
1846deutsche evangelische St.-Petri-Schule, St. Petersburg
1853Studium der Chemie und Physik in Heidelberg (Bunsen), ab 1855 in München (Liebig, Jolly), 1856 wieder in Heidelbergund ab 05.1857 in Göttingen (Wöhler)
1856 erste wissenschaftliche Arbeit: "Über Diffusion der Flüssigkeiten" (bei Jolly im Physikalischen Institut, München)
1858 Promotion in Göttingen (zwei Tage vor seinem 20. Geburtstag), Dissertation über Murexid
1858Studienaufenthalt bei Wurtz in Paris
1859Assistent von Löwig in Breslau
1860 04.1860: Assistent von Wöhler in Göttingen; 11.1860: Habilitation; F.K. Beilstein beginnt Material für sein Handbuch zu sammeln
1865 10.1865: außerordentlicher Professor für organische Chemie in Göttingen
1865 - 1871 Mitherausgeber der Zeitschrift für Chemie (zusammen mit Fittig und Hübner)
1866 ordentlicher Professor, Professur für Chemie am Technologischen Institut (Technische Hochschule) in St. Petersburg (als Nachfolger von Mendelejew)
1867 Lehrer für Chemie an der Militär-Ingenieurakademie, St. Petersburg, Chemiker der Handelsabteilung im kaiserlich-russischen Finanzministerium, St. Petersburg
1872 Professur für organische Chemie am Technologischen Institut in St. Petersburg
1881 - 1883 1. Auflage des Handbuchs
1883korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, St. Petersburg
1885 - 1889 2. Auflage des Handbuchs
1886 Vollmitglied der Akademie der Wissenschaften, St. Petersburg (als Nachfolger von Zinin)
1888 Ehrenmitglied der Kaiserlich-Russischen Technischen Gesellschaft (wegen seiner Verdienste um die Analyse des Petroleums von Baku)
1891 offizielle Emeritierung als Professor nach 25 Jahren Dienst, aber weitere Vertretung seiner Stelle am Technologischen Institut
1892 - 1899 3. Auflage des Handbuchs
1894 Ehrenmitglied der deutschen chemischen Gesellschaft
1895 Ernennung zum Geheimrat
1896 altersbedingter Rücktritt als Professor; Übertragung der Autorenrechte für das Handbuch an die deutsche chemische Gesellschaft
1906Gestorben am 18. Oktober in St. Petersburg

Literatur

Hjelt, E. (1908): Friederich Konrad Beilstein. Ber. Dtsch. Chem. Ges.40 , 5041-5078 Bugge, G. (1929): Das Buch der Grossen Chemiker: Zosimos bis Schönbein. Verlag Chemie , (1981): Festschrift "Einhundert Jahre Beilsteins Handbuch der Organischen Chemie". , (13.5.1981): Kennen Sie Beilstein?. Beilstein-Institut , (1970): Das Porträt: Friedrich Konrad Beilstein 1838-1906. Chemie Unserer Zeit4 , 115-119 (1906): Nachruf auf F.K. Beilstein. Ber.Dtsch.Chem.Ges.39 , 3551-3555 (1988): Beilstein Brief. 1 , 6-7